GRÖSSERES BILD

Die zur Jagd angewendeten Waffen sind vor allem Pfeil und Bogen. Was würde wohl ein Indianer aus dem nordöstlichen Bolivia, z. B. ein Yuracáre oder Gúarayú sagen, wenn er die Pfeile und Bogen der Chacoindianer sähe, wenn er sehen würde, wie schlecht sie gearbeitet sind, und daß in der Regel die Steuerfedern fehlen. Er würde sie sicher auslachen. Falls er sie zu einem Preisschießen aufforderte, würde er natürlich sofort über die Chorotis siegen. Er würde sich aber wundern, mit welcher Fertigkeit und Sicherheit die Ashluslays mit diesen häßlichen Pfeilen schießen. Auch im Chaco gibt es Pfeile mit stumpfer Spitze zum Vogelschießen. Diese Spitzen sind nicht, wie einige Verfasser behaupten, rund, damit die Vögel getötet werden, ohne die Federn blutig zu machen, da sie hier niemals für Vögel, deren Federn man anwenden will, benutzt werden. Die Pfeile haben nur deshalb klumpige, stumpfe Spitzen, damit sie nicht in den Zweigen der Bäume sitzen bleiben und somit verloren gehen. Schießt man einen Vogel mit einem spitzen Pfeil, so geht er leicht in einen Zweig und bleibt hängen, und es kann schwer und mühselig sein, ihn herunterzubekommen. Der Indianer sucht nämlich immer, wenn er kann, die Pfeile wiederzufinden, die ihr Ziel verfehlt haben.

Bei der Wildschweinjagd werden die Schweine durch die Hunde gestellt und dann durch Keulen getötet. Die Ashluslays wenden zur Vogeljagd gewöhnlich Tonkugelbogen an. Bei den Chorotis habe ich sie nur als Kinderspielzeug gesehen. Auch Schleudern haben diese Indianer. Ich habe jedoch niemals ihre Anwendung auf der Jagd gesehen.

Die Chacoindianer sind nicht so eifrige Jäger, wie die meisten mir von Nordost-Bolivia bekannten Indianer. Moberg hat sich wenigstens oftmals über das mangelnde Interesse der Chorotis für die Jagd geärgert, da es ihm sehr schwer fiel, Gesellschaft zu finden, wenn er jagen wollte.

Ein richtiger Jäger schmückt sich niemals mit fremden Federn. Trägt ein Indianer, der ein wirklicher Jäger ist, Zähne oder leuchtende Federn, so stolziert er mit seinen eigenen Jagdtrophäen. Ein Choroti schmückt sich ebensogern mit einer gefundenen Feder oder mit den Federn eines Vogels, den ein anderer erlegt hat. Hatten wir beispielsweise einen Storch geschossen, so teilten die Indianer die Federn unter sich, so daß jeder ein paar bekam.

Verschiedene Amulette werden von den Ashluslays auf der Jagd angewendet. Hat man in der stets unentbehrlichen Caraguatátasche den Kopf einer Schildkröte, so kann man die Rehböcke anschleichen, ohne daß sie davonspringen. Bei der Straußenjagd ist es gut, Hautstücke von der Brust von Straußen, die man getötet hat, mitzunehmen. Sehr gewöhnlich ist es, an geeigneten Stellen, wie Tränken, Plätze wo die Strauße weiden usw., Jagdhütten zu bauen. Man versteht auch die Anwendung von Schlingen.

Die Männer sammeln Honig und Wachs. Den letzteren wenden die Indianer für ihre Pfeile, zu Pfropfen, in Tongefäßen, zu allerlei Reparaturen usw. an.

Um beim Finden der Bienennester besseres Glück zu haben, stechen sich die Ashluslays mit einem hölzernen Pfriemen über die Augen, bis das Blut fließt. Das Aderlassen ist übrigens sehr gewöhnlich. In der Tasche eines jeden Choroti- und Ashluslayindianers befinden sich eine ganze Menge knöcherner Pfrieme, mit denen er sich sticht, wenn er müde ist. Viele Indianer und auch Indianerinnen sind an Armen und Beinen ganz mit Krusten bedeckt, so viel haben sie sich gestochen. Nach einer anstrengenden Fisch- oder Jagdtour u. dgl. sieht man nicht selten Indianer, die sich wütend in Arme und Beine stechen, so daß das Blut strömt.

Die Leiden eines angeschossenen Tieres versteht ein Indianer nicht zu würdigen. Niemand gibt ihm den Gnadenstoß, soweit dies nicht nötig ist, damit es nicht entspringt.

Wir Weißen brauchen uns darum nicht über die grausamen Indianer zu überheben, wir lassen mißgebildete Kinder leben und sich quälen, wir essen ruhig im Überfluß, während die Mitmenschen in unserem eigenen Staat hungern. Das tun dagegen diese Indianer niemals.