Von Insekten wenden die Chorotis und Ashluslays nur eine große Käferlarve, die sie rösten, als Nahrung an. Erst wenn Not am Mann ist, ißt man wohl alle möglichen Würmer. Sie kennen alle die kleinen Tiere ausgezeichnet und haben für alle Namen. Als ich 1902 den Chaco als Zoologe besuchte, pflegten die Chorotis für mich zu sammeln. Zeigte ich ihnen an dem einen Tage ein Insekt, von dem ich mehrere Exemplare wünschte, so kamen sie sicher am folgenden Tage mit einer großen Menge von diesen wieder. Sie kannten jedes kleine Tierchen sowie jede Pflanze und wußten, wo sie dieselben zu suchen hatten.

Abb. 13. Eine Chorotifrau trägt Wasser nach Hause. Rio Pilcomayo.

Die Viehzucht ist ebenfalls ein für diese Indianer wichtiger Nahrungszweig. Die Chorotis haben recht viele Schafe und Ziegen sowie eine geringe Anzahl Pferde. Viel reicher an Vieh als jene sind die Ashluslays. In einem ihrer Dörfer, dem Dorfe des Häuptlings Toné, das damals ca. 400 Einwohner hatte, zählte ich etwa 200 Kühe, etwa 200 Pferde, Maulesel und Esel, davon viele Stuten und Füllen, sowie über 500 Schafe und Ziegen. Außer diesen Haustieren gibt es Hühner und Katzen und eine unzählige Menge Hunde. Im Dorfe Tonés befanden sich sicher ein paar hundert Hunde. Diese Indianer töten die jungen Hunde nicht, sondern lassen sie sich frei vermehren. Alle diese oft ausgehungerten Hunde sind deshalb eine wirkliche Plage im Dorfe. Sie werden jedoch gut behandelt und nicht geschlagen, obschon die Nahrung nicht für so viele Münder reicht. Ich sah einmal eine Chorotifrau, die an der einen Brust ihr Kind, an der anderen einen Hund säugte. Stirbt ein Hund, so wird er gleich den Pferden der Indianer ordentlich begraben, und ein Pferd mit dem Holzspaten vergraben, ist sicher ein tüchtiges Stück Arbeit. Die Weißen in Bolivia werfen dagegen ihre toten Hunde und Pferde auf den Müllhaufen und lassen, als Dank für die erwiesene Pflichttreue, die Geier ihnen den letzten Dienst erweisen.

Zum Tierbestand in einem Choroti- oder Ashluslaydorf gehört beinahe mit Sicherheit eine Anzahl wilder Tiere. Diese sind aller Lieblinge. Man sieht Störche, Nutrias, Wildschweine, Strauße, Füchse usw. In der Regel sind sie Spielkameraden der Kinder. Diesen bereitet, wie unseren Kindern, das Binden der Strauße, Tränken der Pferde, Füttern der Kühe usw. eine große Freude.

Einmal bot ich in einem Ashluslaydorf ein prächtiges Tuch für eine Henne. Ein kleines, süßes, etwa 10jähriges Mädchen tauschte sich mit Freuden das Tuch ein. Als sie sah, daß die Henne geschlachtet wurde, was sie sicher nicht erwartet hatte, begannen die Tränen über ihre Wangen zu rollen, und plötzlich sprang sie davon, um ihren Freund zu beweinen. Das Tier war ihre Gesellschaft und sicher nicht zum Essen bestimmt.

Die Indianer im Chaco haben seit langer Zeit dieselben Haustiere wie der weiße Mann. Verschiedene Stämme stehen von alters her mit den Weißen in Berührung. Andere, tiefer im Chaco wohnende haben dann durch den Handel zwischen den Stämmen diese Tiere erhalten. Von besonderer Bedeutung sind hier natürlich die Schafe, aus deren Wolle die Indianerinnen Mäntel weben.

Im Innern des Chaco, vom Rio Pilcomayo gerechnet, ist das Land sehr wasserarm, und während der Trockenzeit haben die Indianer häufig kaum Wasser. Sie graben deshalb Brunnen. Solche habe ich bei den Ashluslays bis zu einer Tiefe von 4 m gesehen.[23] Die Forderungen eines Indianers an die Beschaffenheit des Wassers sind sehr gering. So habe ich die Ashluslays aus Sümpfen mit braungrünem, stinkendem Wasser trinken sehen, ohne daß es ihnen irgendwie schlecht zu bekommen schien. Wahrscheinlich gibt es in den abgelegenen Gegenden, wo die Ashluslays wohnen, weder Typhoid- noch Dysenteriebakterien.

Abb. 14. Algarrobomehl seihende Ashluslayfrau.