Ich selbst bin fest überzeugt, daß ich, falls ich z. B. in Schweden all den Schmutz getrunken hätte, den ich im Chaco genossen habe, jetzt nicht mehr unter den Lebenden wäre.
Wie man bei den Ashluslays und Chorotis ißt.
Wäre ich zu einem Ashluslay- oder Chorotimittag eingeladen und könnte selbst die Speisekarte wählen, so würde ich sicher über Kohlen gebratene und auf grünen Blättern servierte Fische begehren. Hätte ich sie selbst etwas salzen dürfen, denn Salz wenden die Ashluslays und Chorotis selten an, so wären sie ganz einfach lecker. Niemand kann so wie ein Indianer Fische rösten. Von den Fischen würde ich dann so viel essen, daß ich nichts anderes zu berühren brauchte, denn schreckliche Sachen können serviert werden. Es gibt Dinge, die selbst der fanatischste Ethnograph nicht zu verzehren vermag. Die Ingredienzien selbst brauchen nicht so schlecht zu sein, der Schmutz bei der Zubereitung ist aber unerhört. Därme werden z. B. niemals vor dem Kochen gewaschen, sondern ganz einfach entleert. Bisweilen muß jedoch der Darminhalt als Gemüse zum Fleisch dienen. So werden die Erdratten mit Eingeweide und Exkrementen verzehrt. Sie werden ganz ins Feuer gelegt, wo sie durch die Hitze anschwellen. Dann werden Löcher in den Magen gestochen, damit die Luft, nur die Luft herauskommt. Auch Eidechsen werden mit Eingeweide und allem gegessen. Frösche, Füchse und in der Regel, aber nicht immer, Geier werden als nicht eßbar betrachtet. Verschiedene Früchte, z. B. Algarrobo, werden gewöhnlich in folgender Weise gegessen: die Frucht wird zerklopft und in einer großen Kalebasse mit Wasser gemengt. Um diese setzen sich mehrere Personen, immer vom gleichen Geschlecht, denn Männer und Frauen essen nicht zusammen. Jeder nimmt sich mit den Fingern ein ordentliches Stück, saugt daran und spuckt es dann wieder in das gemeinschaftliche Gefäß. Daß es unangenehm sein könnte, den Speichel eines anderen in den Mund zu bekommen, ist den Indianern vollständig unbegreiflich. Will man eine längere Zeit bei den Ashluslays und Chorotis hausen und ihr Leben zu leben versuchen, muß man sich über „Vorurteile“, die man in dieser Beziehung haben kann, hinwegsetzen, und man wird wirklich bald unbegreiflich verhärtet.
Die Ashluslayindianer essen Honig mit Bürsten aus Caraguatástämmen, die sie in den Honig tauchen, ablecken, wieder eintauchen, dem Nachbar reichen usw. Wie wenn wir mit Rasierpinseln äßen — denn so sehen diese Werkzeuge aus ([Abb. 15]).
Bestimmte Mahlzeiten habe ich bei den Chorotis und Ashluslays nicht beobachten können. Ist genügend Nahrung vorhanden, so essen diese Indianer auch des Nachts.
Abb. 15. Eßbürste, Ashluslays. ½.
Als Reisezehrung auf den Wanderungen werden getrocknete Fische, Maiskuchen, Klöße aus gekochter Chañarfrucht und solche von Algarrobomehl angewendet. Die letzteren sind wirklich gut. Wie sie zubereitet werden, ist mir unbekannt, denn da ich sie auf meinen Streifzügen mit den Ashluslayindianern stets zu essen pflegte, beschloß ich, dieses Geheimnis, aus Furcht, daß ich, nachdem ich es kennen gelernt habe, auf die guten Klöße verzichten würde, niemals zu erforschen.
Die umsichtigen Frauen bereiten, wenn Überfluß an Speisen vorhanden ist, Konserven. Früchte werden in großen Massen getrocknet. Zuweilen ziehen sie in Begleitung der Männer nach abgelegenen fruchtreichen Gegenden, und lassen sich dort eine Zeitlang unter eifriger Arbeit nieder. Wenn man eine solche „Konservenfabrik“ sieht, muß man unwillkürlich an die Ähnlichkeit mit dem Einmachen unserer nordischen Frauen zur Herbstzeit denken. Überall liegen Haufen von rohen, gekochten, gebratenen und getrockneten Früchten.
Von großem Interesse sind die von den Ashluslays zum Rösten angewendeten Öfen. Ein solcher Ofen ist hierneben beschrieben und abgebildet ([Abb. 16]). Er ist von demselben Typ, wie der von den Tsirákuaindianern im Nordchaco angewendete. Nachdem die Früchte geröstet sind, werden sie getrocknet und können dann monatelang aufbewahrt werden. Die Indianerfrau ist ein umsichtiges Hausmütterchen.