Abb. 19. „Reibeisen“ aus Holz. Ashluslays. ⅛.
Körbe sind bei diesen Indianern unbekannt, ebenso wirkliche Seiher. Will die Indianerin z. B. Algarrobomasse durchseihen ([Abb. 14]), so wendet sie ganz einfach ein Stück einer Caraguatátasche an. Der Grund, warum die Chacoindianer keine Körbe anwenden, kann kaum darin liegen, daß solche ihnen vollständig unbekannt sind, denn sie kennen direkt oder indirekt die Chiriguanos, die solche haben. Das geeignete Material dazu, d. h. Palmblätter, ist auch reichlich vorhanden. Im großen ganzen ersetzen jedoch die Caraguatátaschen vollständig alle Körbe, außerdem sind sie haltbarer und lassen sich bequemer auf den Wanderungen mitnehmen und in den Hütten aufbewahren. Die Körbe sind also für diese Indianer vollständig unnötig und sogar ungeeignet.
Ist Überfluß an Trinkwaren, d. h. Bier aus Algarrobo, Chañar oder Mais, vorhanden, so essen die Männer nicht sehr viel, denn das Bier, das sie trinken, ist stark sättigend und nährend. Das Bier ist in solchen Zeiten für sie Speise und Trank. Oft läßt das Trinken ihnen auch keine Zeit zum Fischen und Jagen.
Die Indianer kämpfen sicher zuweilen einen harten Kampf, um die Forderungen des Magens befriedigen zu können. Ist der Magen voll, so ist der Indianer froh und übermütig, da tummeln sich die Kinder in ausgelassener Freude, da tanzt die Jugend jeden Abend und hat Rendezvous in den Büschen, da sitzen die Alten und trinken Bier in gewaltigen Kalebassen und rauchen und spucken und prahlen mit ihren Taten und amüsieren sich königlich. Ist der Magen leer, dann ist es still auf den Spielplätzen, dann ist kein Tanz, kein Rendezvous, kein Bier und keine Prahlerei.
Als ich 1908 die Chorotidörfer besuchte, waren die Magen von fetten Fischen ausgespannt. Herrliche Fische! Da war Tanz und Fest.
Ein Jahr später kam ich wieder. Ach, wie mager doch alles war, bis die Chañar- und Algarrobofrüchte reif wurden. Dann war wieder Freude in den Dörfern.
Gibt es gebratene Fische und Fischfett oder große Kalebassen mit Algarrobobier, dann lebt sich’s gut für einen Indianer am Rio Pilcomayo.
Tafel. 6. Chorotimama mit ihrem kleinen Jungen und dessen Spielkameraden.
⇒
GRÖSSERES BILD