Wenn es nötig ist, können auch die Indianermütter bestimmt sein. Einmal sah ich einen Chorotiknaben, der einen Sandfloh im Fuße hatte. Unbekümmert um das Geschrei des Knaben zog die Mutter das gefährliche Insekt mit einer knöchernen Nadel heraus, während zwei Frauen den Knaben festhielten.
Ein ausgezeichnetes Verhältnis herrscht zwischen Eltern und Kindern sowie zwischen den Geschwistern. Wie oftmals ist es mir nicht passiert, daß einer meiner Freunde unter den jungen Indianern mich zu einer alten Frau geführt und mit dem einfachen Worte Mama um ein Geschenk für sie ersucht hat.
Oft sieht man blinde und krüppelige Alte in den Dörfern, die von ihren Kindern unterhalten werden. Wird das Dorf durch einen Feind bedroht, so werden zuerst von allen diese Alten in Sicherheit gebracht, damit sie nicht, wenn die anderen zu fliehen gezwungen sind, in die Hände der Feinde fallen.
Abb. 20. Chorotiknabe mit Boleadora.
Abb. 21. Das Kleine führt seinen blinden Großvater „abseits“. Ashluslays.
Werden diese Alten eine allzu große Last, so geschieht es gleichwohl zuweilen, wie ich schon erzählt habe, daß man sie tötet.
Das Indianerkind lernt das Leben im Spiel. Wenn die Mutter mit ihrem Töchterchen im Arme Wasser holt, so trägt das Mädchen einen winzig kleinen, dem der Mama ganz gleichen Krug. Füllt die Mutter ihren großen Wasserkrug, so füllt sie auch den ihres kleinen Töchterchens. Das Mädchen wächst und der Krug wächst. Sie begleitet ihre Mutter bald zu Fuß und trägt gleich ihr einen eigenen Krug auf dem Kopfe. Spinnt die Mutter, so spinnt auch ihr Kind auf einer Spielzeugspindel. Der kleine Junge spielt mit seinem Netz im Dorfe. Er fängt Laub, er fängt Tonscherben. Oft sind die Großväter die Lehrer. Ist er größer, so erhält er von dem Großvater ein größeres Netz und begleitet ihn auf den Fischfang. Anfänglich fängt er nicht viel. Er und das Netz wachsen, und der Knabe, der Laub und Tonscherben gefischt hat, fängt große Siluroiden, Palometas und vieles andere. Auf dieselbe Weise lernen die Kinder alles, was sie zu wissen nötig haben. Spielend lernt das Indianerkind den Ernst des Lebens.
Besonders die Indianerknaben verleben dann ihre Tage unter heiteren Spielen. Vielmals habe ich mit ihnen gespielt, und wir, und nicht zum wenigsten ich, haben uns dabei sehr gut amüsiert.