Wir versuchten, den Indianerknaben unsere Spiele beizubringen. Die Mädchen spielten beinahe niemals mit uns. Moberg war Zirkusdirektor, und sie lernten von ihm Purzelbäume schießen, Bockspringen, mit Stangen balancieren und anderes Nützliche. Eine Kunst konnte Moberg, die stürmischen Jubel erweckte. Er konnte Rad schlagen. Diese Nummer des Programms wurde von allen, jung und alt, gern gesehen, obschon niemand es nachmachen konnte. Mit roten Taschentüchern als Preise veranstalteten wir Wettrennen. Hieran beteiligten sich auch die Mädchen, sie liefen aber immer allein und mischten sich nicht unter die Knaben.

Unser gutes Verhältnis zu den Indianern hatte sicher zu einem großen Teile seinen Grund darin, daß wir immer mit den Kindern spielten. Das gefiel den Indianerpapas und Indianermamas, und auf diese Weise bekamen sie Vertrauen zu uns.

Schlägereien und harte Worte kommen unter den spielenden Kindern fast niemals vor. Ein einziges Mal habe ich einen Indianerknaben einen anderen schlagen sehen. Das war in einem Ashluslaydorf. Daß dies etwas Ungewöhnliches war, wurde mir aus der Aufregung, die darüber im Dorfe entstand, klar. Ein paar Stunden lang ergingen sich die respektiven Eltern und Verwandten der Kinder in Schmähungen. Besonders die älteren Damen spien Feuer und Galle. Beim Spiel kommen niemals Streitigkeiten vor, z. B. ob der Ball wirklich ins Tor gekommen ist, ob einer gemogelt hat oder dgl. Hier haben unsere weißen Kinder viel von ihren dunkelbraunen Freunden zu lernen.

Die großen Kinder behandeln die kleinen niemals schlecht. Sie laufen wohl hinter ihnen her und werfen sie hin, aber sie schlagen sie niemals. Kleinlichkeit, Eigendünkel und Bosheit findet man niemals unter den Indianerkindern.

Knaben und Mädchen spielen schon als ganz kleine Kinder getrennt. Für Knaben und Mädchen gemeinsame Spiele habe ich nie gesehen. Sie haben auch verschiedenes Spielzeug. Nur der Tanz führt sie zusammen. Auf der Tanzbahn erscheinen Knaben und Mädchen viel früher als bei uns, da der Tanz innig mit dem Geschlechtsleben zusammenhängt.

Abb. 22. Die Mama geht mit den Kindern zum Fluß. Chorotis. Rio Pilcomayo.

Nicht alle Kinder gleichen Geschlechts spielen zusammen, sondern sie teilen sich, wie unsere Kinder, in Altersklassen. Bei den Knaben kann man drei solche beobachten. Zwei- bis vierjährige Knaben beteiligen sich nicht an den großen gemeinschaftlichen Spielen. Die Vier- bis ungefähr Siebenjährigen bilden eine zweite, die Sieben- bis Zwölfjährigen eine dritte Gruppe. Die über zwölf Jahre alten Knaben halten sich gewöhnlich zu den Herren, nehmen an den großen Ballspielen teil und interessieren sich schon lebhaft für Tanz und Mädchen.

Dicht bei oder in einem Ashluslay- und Chorotidorf ist immer ein offener, gebahnter Platz, wo man spielt und tanzt. Herrlich eignen sich zum Spielen besonders die großen Sandufer des Pilcomayoflusses. Dort tummeln sich die Kinder im Sande.

Das erste Spielzeug des Indianerkindes ist, wie bei unseren Kindern, die Klapper. Von Früchten, Knochen, Blechstücken u. a. machen die Indianermütter ihnen kleine Klappern. In dieser Zeit spielen sie mit ihren Müttern, die mit ihnen plaudern und scherzen.