Abb. 23. Spielzeugflinte von den Chiriguanos. Caipipendi. Die Chorotis und Ashluslays wenden ähnliche an. ⅙.
Die Indianerkinder lernen, wie ich schon gesagt habe, spielend den Ernst des Lebens kennen. Sie werden durch das Spiel erzogen. Wie unsere Kinder die Großen nachäffen, so machen die Indianerkinder ihnen ebenfalls alles nach.
Als die Ashluslayindianer mit den Tobas kriegten, spielten auch die Knaben in den Ashluslaydörfern Krieg. Die Knaben teilten sich in zwei Abteilungen. Die eine stellte die Ashluslays, die andere die Tobas vor. Die Waffen bestanden aus Rohr, mit denen man Fruchtkerne aufeinander knackte. Die Kämpfe wurden unter Geschrei und Geheul geführt. Wurde einer gefangen genommen, so wurde er skalpiert. Während einer den Gefangenen hielt, tat ein anderer, als skalpiere er ihn.
Sicher haben die Indianerkinder am Pilcomayo manchmal auch Indianer und Weiße gespielt. Bei den Kampfspielen der wilden Indianer geht es aber keineswegs wild zu. Roheit und Bosheit, die bei den Kindern des weißen Mannes so gewöhnlich sind, sind unter diesen Kindern, deren Väter wirkliche Skalpjäger sind, vollständig ausgeschlossen.
Eines Tages hatte ich in einem Ashluslaydorf ein Wettschießen mit Pfeil und Bogen angeordnet. Am folgenden Tage veranstalteten die Knaben desselben Dorfes ebenfalls ein Scheibenschießen mit ihren Spielzeugflinten. Diese Flinten, von denen eine hier abgebildet ist ([Abb. 23]), sind unter den Chacokindern sowohl am Rio Pilcomayo wie am Rio Parapiti gewöhnlich.
Wenigstens den kleinen Knaben und Mädchen machen die Eltern und andere ältere Verwandte ihr Spielzeug. Der Großvater strickt das Spielzeugnetz des Knaben, lehrt ihn aber auch selbst stricken. Eine der weiblichen ältesten Verwandten formt die Puppen, mit denen die Mädchen spielen. Mutter spielen ist hier ebenso gewöhnlich, wie bei unseren Mädchen. Die von den Indianerkindern im Chaco angewendeten Puppen sind außerordentlich lustig. Weiterhin werden wir sie abgebildet und beschrieben finden.
Abb. 24.
Boleadora.
Ashluslays. ⅕.
Das Lieblingsspielzeug der Knaben ist die von den Pampasindianern bekannte Boleadora. Mit der Boleadora spielen mehrere Knaben zusammen. Sie stellen sich in einer Reihe auf. Wenn einer seine Boleadora wirft, versuchen die anderen, sie mit ihren zu fangen. Dieses Spielzeug ist sicher ein Überbleibsel aus einer Zeit, wo die Boleadora von den Ashluslays und Chorotis als Waffe angewendet wurde; vielleicht ist es eine Erinnerung von einer Zeit, wo sie auf den Pampas lebten, denn die Boleadora ist eine Waffe, die nur für die Ebene paßt. In einer weiter unten wiedergegebenen Matacosage handelt es sich um einen Kampf zwischen verschiedenen Vögeln, wo die Chuñas[24] mit Boleadoras gekämpft hatten. Die Matacos selbst wenden die Boleadora jetzt nicht als Spielzeug an. Ein anderes Spielzeug, vielleicht auch eine Erinnerung aus früheren Zeiten, sind die Stelzen, die ich die Ashluslays habe anwenden sehen.