Je nach dem Takt wird langsam oder schnell getanzt. Musik ist auf diesen Bällen unbekannt. Die hierbei gesungenen Lieder sind unübersetzliche Kehrreime, die oft international sind, d. h. von mehreren Stämmen angewendet werden.

Abb. 35.
Junger Chorotimann am Alltag.

Hinter den Männern tanzen die Mädchen.

Bei den Chorotiindianern ergreift das Mädchen die Initiative zu den Liebesabenteuern. Sie führt den jungen Herrn, den sie zum Liebhaber für die Nacht wünscht, ganz einfach fort vom Balle.

Stattlich nehmen sich die Tänze aus, wenn der Mond oder ein Feuer aus Pampasgras die Körper beleuchtet. Bis zu hundert Männer habe ich in demselben Ringe tanzen sehen. Zuweilen tanzten sie ganz langsam, zuweilen in schwindelnder Fahrt, so daß der Staub hochwirbelte, und alles, was man sah, ein Wirrwarr von Körpern und flatternden Straußenfedern war.

Gesang und Gelächter ertönte auf der Tanzbahn.

Die älteren Mädchen tanzten hinter ihren Liebhabern, die jüngsten schlichen hier und da heran, um einen Augenblick hinter einem wohlgebildeten männlichen Körper zu tanzen und gleich darauf, lüstern aber ängstlich, hinter Büschen und Sträuchern zu verschwinden. Beinahe stets war die Anzahl der Männer größer als die der Frauen, und glücklich der Mann, der geraubt und verführt wurde.

Musik ist, wie gesagt, bei diesen Bällen unbekannt. Beinahe jeder tanzende Indianer trägt zwar eine Pfeife ([Abb. 36]), man pfeift aber nicht den Takt zum Tanz. Bei diesen Indianern findet man auch nur wenige Musikinstrumente. Von Saiteninstrumenten kommt nur der Musikbogen von dem von den Araukaniern her bekannten Typ vor.[26] Die Flöten sind sehr schlecht und vielleicht geradezu Imitationen von den Chiriguanos. Die besonders von den Chiriguanos bekannte Pfeife, auf welcher man wie auf einen Schlüssel pfeift, habe ich bei den Ashluslays nur als eine Seltenheit gesehen. Von Trommeln kennt man nur die primitive Tongefäßtrommel ([Abb. 57]). Diese besteht aus einem gewöhnlichen irdenen, halb mit Wasser gefüllten Topf, über den ein Fell gespannt ist. Als Trommelstock wird ein Holzstab, und zwar immer nur einer angewendet.

Auch mitten am Tage kann es einem warmblütigen Chorotimädchen einfallen, als Verführerin aufzutreten. Aus meinem Lager zog einmal ein solches Mädchen, unbekümmert um allen Scherz und alle Anzüglichkeiten, mit einem glückstrahlenden Ashluslay in den Wald. Es ist nichts Ungewöhnliches, daß die Mädchen in den Chorotidörfern sich etwas abseits vom Dorfe eine besondere Hütte bauen, wo sie Herrenbesuche entgegennehmen.