GRÖSSERES BILD

Verschiedene der Kriege im Chaco sind sicher auch Ausrottungskriege, die nicht eher aufhören, als bis der eine Stamm unterjocht wird oder auswandert. Ein solcher Krieg ist sicher der zwischen den Tapiete- (Yanaygua) und den Tsirakuaindianern, über den ich am Schlusse dieses Buches zu sprechen Gelegenheit haben werde.

Infolge der Kriege verändern sich die Verbreitungsgebiete der Stämme. Auf diese Weise läßt es sich erklären, daß Campos[45] die Stämme 1883 an ganz anderen Stellen fand, als wo sie 1908 und 1909 wohnten. Wird der Krieg zwischen den Tobas und den Ashluslays fortgesetzt, so drängen die ersteren die letzteren wahrscheinlich ganz vom Flusse fort. Die Eroberung der bolivianischen Seite des Rio Pilcomayo ist auch für die Tobas außerordentlich wichtig, da die Argentinier sie immer mehr zur Unterwerfung zu zwingen suchen.

Kämpfe um den Fluß und den Fischfang haben hier wohl zu allen Zeiten geherrscht. Die stärkeren Stämme haben sich der Nahrungsquelle Rio Pilcomayo bemächtigt und die schwächeren nach noch unerforschten Gegenden des nördlichen Chaco gedrängt, wo wir wahrscheinlich Reste von Stämmen finden können, deren Namen uns nicht einmal bekannt ist.

Handel.

Auch eine friedliche Verbindung herrscht zwischen den Stämmen. So habe ich am Rio Parapiti von den dort Yanaygua genannten Tapieteindianern runde, durchbohrte, kleine Scheiben Muschelschalen eingetauscht. Diese erhalten sie von den Ashluslays, die sie wieder von einem mir unbekannten Stamm, von den Ashluslays Manslé (möglicherweise = Lengua) genannt, bekommen, der unweit des Rio Paraguay wohnt und reiche Vorräte von Eisen, besonders Töpfe und Wagenachsen, zu besitzen scheint. Die Manslé sollen durch den nördlichen Chaco bis zum Chorotigebiet auf Wegen gehen, die nicht dem Rio Pilcomayo folgen. Sie haben Eisen und Schneckenschalen mit, die sie gegen Tiere und Mäntel aus Pelz und Wolle eintauschen. Man sieht Chorotis, die bis zu zehn bis zwanzig Meter lange Halsketten aus diesen kleinen Schneckenschalen haben (s. [Abb. 33]).

Nimmt man übrigens eine Sammlung von Gegenständen z. B. bei den Chorotis vor, so darf man keineswegs glauben, daß alles, was man erhält, an Ort und Stelle angefertigt ist. Mit Geräten, Geweben, Taschen aus Caraguatá usw. wird ein bedeutender Tauschhandel zwischen den Stämmen betrieben. Von den Chiriguanos erhalten die Chorotis die rote Farbe, Uruku. Für ein kleines Stück davon bezahlen die Chorotis einen warmen und großen Mantel aus Wolle. Von den Chorotis erwerben dann die Ashluslays diese beliebte Farbe.

Auch im Paraguayer Chaco ist Uruku eine Handelsware. Nach Boggiani[46] erhalten die Chamacocoindianer die kostbare Farbe von den Caduveis. Domenico del Campana[47] erwähnt, daß die Chiriguanos Uruku zum Verkauf nach Gegenden, wo dieser Busch nicht wächst, herstellen.

In Eric von Rosens schöner Sammlung von den Chorotis, die in der Nähe von Caiza, nicht weit von dem letzten Gebirgskamm der Anden nach dem Chaco, wohnten, befindet sich ein ornamentiertes Gewebe, das durch Handel von den weit davon wohnenden Ashluslays erhalten sein muß.

Das Eisen ist im Chaco seit langem eine wichtige Handelsware. Sowohl die Ashluslays wie die Chorotis haben dasselbe ihrer eigenen Angabe nach erst von Osten, d. h. von Paraguay, erhalten. Der Stamm, der wohl am längsten am Rio Pilcomayo gewohnt hat, ohne das Eisen zu kennen, war der der Chorotis, obschon sie jetzt viel mehr Werkzeuge aus diesem Material besitzen, als die Ashluslays.