Von Interesse ist es zu beobachten, wie die Indianer beim Tauschhandel ihre Habseligkeiten taxieren. Am teuersten sind z. B. bei den Chorotis die Halsketten, die Mäntel, die sehr großen Caraguatátaschen, die Netze, Kalebassen und die Urukufarbe. Die Chorotis und die Ashluslays haben die ganz natürliche Auffassung, daß das, was ihnen die meiste Arbeit macht, durch die gesuchtesten Tauschwaren, wie Zeuge, Messer u. dgl., ersetzt werden muß. Für die Halsketten bezahlen sie selbst Schafe, und diese schätzen sie sehr hoch. Daß sie den wirklichen Wert der ihnen angebotenen Tauschwaren nicht kennen, ist natürlich. Hatte ich irgend welche Gegenstände nach Ansicht der Indianer zu hoch bezahlt, so verbreitete sich sofort das Gerücht davon und mir wurden überall solche angeboten. Eine Herabsetzung des Preises für einen Gegenstand, weil der Vorrat groß war, war für die Indianer unbegreiflich und deshalb schwer. Beinahe unmöglich war es, gewisse Gegenstände einzutauschen, die sie für unentbehrlich hielten. Sehr große Caraguatátaschen gaben sie deshalb, falls sie nicht mehrere Exemplare davon hatten, nicht her, weil sie dieselben notwendig zum Einsammeln wilder Früchte gebrauchten.
Außer im El Gran Chaco, hat man in Bolivia nicht häufig Gelegenheit, den Handel zwischen den Stämmen zu studieren. In den übrigen Teilen von Ostbolivia gibt es zwar noch äußerst primitive Indianer, diese sind aber beinahe überall nach den unzugänglichsten Wäldern hingedrängt und die verschiedenen Stämme wohnen isoliert voneinander.
Besuch in fremden Dörfern.
Leben zwei Stämme auf freundschaftlichem Fuße miteinander, so besucht sich die Jugend oft und tanzt auf den Tanzbahnen der anderen. Manche Nacht bin ich auf einem Tanzplatz gewesen, wo sich sowohl die Choroti- als die Ashluslayjugend zu versammeln pflegte. Niemals hörte ich einen Zank zwischen der Jugend der verschiedenen Stämme, noch weniger war ich Zeuge irgend einer Schlägerei. Die Mädchen der verschiedenen Stämme sollen sich jedoch zuweilen gründlich prügeln.
Kommt ein Indianer nach einem fremden Dorf, so erfordert es die Höflichkeit, daß er die ganze Nacht über zum Takt einer Kalebaßklapper singt. Bei solcher Gelegenheit wurde folgendes Chorotilied gesungen:
anám, anám, ta ayén skíales, átashlé ayén sikiáles, lám sis, hähuin néo húäsis, ta lám sis yám, po hayéne sítyusis, sis, hälea húäsis, nä lámes.
Das bedeutet ungefähr: Ich bin gekommen, ich bin gekommen, um meine Brüder zu sehen. Ich bin von weither gekommen, um meine Kinder zu sehen. Nun geht es ihnen gut. Sie werden nicht die Feinde sehen. Jetzt geht es ihnen gut, zusammen mit mir. Ich bin gekommen, um meine Brüder zu sehen. Die Feinde werden sie nicht töten. Jetzt geht es ihnen gut.
Mein Dolmetscher, der die Sitten und Gebräuche der Indianer kannte, sang auch die ganze erste Nacht, die wir im Dorf des Ashluslayhäuptlings Toné waren, diesen Gesang. Auf solche Aufmerksamkeit von den Weißen legen die Indianer Wert. Das halten sie für gute Lebensart.
Das Verhältnis zu den Weißen.
Alle längs des Rio Pilcomayo lebenden Chorotis stehen seit einigen Jahren mit den ihr ganzes Gebiet bewohnenden Weißen in lebhafter Berührung. Einige Meilen vom Fluß entfernt leben sie jedoch vollständig unabhängig, und die Gegenden, die sie dort bewohnen, sind unerforscht. Die Ashluslays wurden erst 1883 von Campos entdeckt und dann von Trigo 1906 sowie später von Herrmann besucht. Innerhalb ihres eigentlichen Gebietes am Flusse liegt jetzt ein bolivianischer Militärposten. Als der erste Weiße habe ich einen Teil ihres Hinterlandes besucht, das nach allen Wegen, die ich auf meinem Ausfluge sah (s. die [Karte]), und aus den Auskünften, die ich von den Indianern erhalten habe, sehr umfangreich sein muß.