In Bolivia habe ich die Indianer niemals von den Weißen so gut behandelt gesehen, als am Rio Pilcomayo. Das ist das Verdienst einer Person, und zwar des Dr. L. Trigo, eines Mannes, der es verstanden hat, sich die Sympathien der Indianer wie der Indianerinnen zu erwerben, der sie immer als Freunde und Kameraden behandelt hat, der nicht als hoher Gouverneur, sondern als ein warmherziger und feingebildeter, verstehender Mensch aufgetreten ist.
Dr. Trigo hat sie manchmal bestraft, denn wenn der weiße Mann in das Gebiet der Indianer eindringt, muß es zu Konflikten kommen, noch öfter hat er sie aber, trotz der energischen Aufforderungen der weißen Kolonisten zu einer exemplarischen Bestrafung, unbestraft gelassen.
Trigo hat mit Tabak, Decken, bunten Zeugen u. dgl. ein großes Gebiet im Chaco erobert. Pulver und Blei hat er nur im äußersten Notfall angewendet.
Kommt ein Fremder in ein Indianerdorf, so dauert es einige Zeit, bis die Indianer ihren wirklichen Charakter zeigen. Im Anfang erscheinen sie verschlossener, als sie es in Wirklichkeit sind. Sind Neugier und Argwohn vorüber, so sind die Indianer wieder sie selbst. Im Dorfe ertönt den ganzen Tag über heiterer Scherz, man spielt, tanzt und vergnügt sich.
Tafel 14. Ashluslayfischer gehen über den Rio Pilcomayo.
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GRÖSSERES BILD
Manchmal können die Indianer in ihren Freudenausbrüchen ganz ausgelassen und wild sein. So erinnere ich mich einer Nacht im Dorfe des Chorotihäuptlings Waldhuhn. Bemalt und nackt, mit Federn und Halsketten geschmückt, tanzte ich mit meinen Freunden, während der zweitälteste Sohn des Häuptlings die Rolle des „Elle“ in Stanleyhelm, Brille und Mantel spielte und überall Tabak verteilte. Die Indianer krümmten sich vor Lachen. Wir amüsierten uns diese Nacht und viele andere ebenfalls.
Die Indianer sind sehr leicht beleidigt, handelt es sich aber um Kleinigkeiten, so verschwindet der Unwille schnell. Schwer zu beurteilen ist, ob sie in Ernstfällen nachtragend sind, aber ich glaube es beinahe. Sie sind sehr eingebildet. Eine kleine Schmeichelei nehmen sie in der Regel gut, eine Bemerkung sehr übel auf. Als ich z. B. zu einem Chorotimädchen einmal sagte, das Ausreißen der Augenhaare habe sie sehr häßlich gemacht, war sie mir sehr böse. Eine Höflichkeit über einen kleidsamen Federschmuck oder derartiges nehmen die Chorotis sehr wohl auf. Eine gute Art, die Chorotimädchen zu ärgern, ist, wenn man ihnen erzählt, wie viele hübsche Mädchen man bei den Ashluslays sieht.
Den Versprechungen der Indianer kann man wenig trauen. Den einen Tag versprechen sie z. B. auf einer Exkursion mitzufolgen, am anderen brechen sie das Übereinkommen ungeniert.