In der Regel schienen mir besonders die Chorotis sehr undankbar. So hatte ich z. B. einmal einen Choroti mehrere Tage zu Gaste in meinem Lager und bewirtete ihn reichlich. Kurz darauf kam ich zu Besuch in sein Dorf. Der Indianer war auf dem Fischfang. Als er mit Fischen beladen nach Hause kam, glaubte ich, er würde mir einen Fisch schenken, ich täuschte mich aber gewaltig. Ich bekam nichts. Statt dessen forderte er Tabak und einen Hut von mir.
Ähnliches habe ich mehrmals erlebt und ich wurde zuweilen dadurch verstimmt. Dies war dumm von mir. Ich hätte verstehen müssen, daß ein Mann, der ein paar mit Zeugen, Messern, Nadeln, Glasperlen usw. beladene Maulesel besitzt, vom Gesichtspunkt der Indianer aus so kolossal reich ist, daß er von den armen Indianern keine Gaben fordern darf.
Unter sich sind sie ja so freigebig, daß sie verschenken, was sie selbst gebrauchen könnten. Wie oft kam es vor, daß ein hungriger Indianer, dem ich einen Teller Essen angeboten hatte, diesen mit allen teilte und selbst nichts bekam. Die von den Weißen unberührten Ashluslays waren viel gastfreier als die Chorotis und schenkten mir beständig Fische, Mais, Algarrobo u. a.
Wenn wir in ein niemals von Weißen besuchtes Ashluslaydorf kamen, forderten die Indianer keine Geschenke. Anders ist es leider in den Dörfern, in denen die Indianer in die Fabriken in Argentinien zu gehen pflegen. Sie halten es ganz einfach für selbstverständlich, daß man ihnen wenigstens Tabak gibt. Es scheint mir beinahe, als betrachten die Indianer in gewissen Gegenden die Tabakverteilung als eine Steuer, die der durchziehende Weiße zu entrichten verpflichtet ist.
Von den Weißen werden die Indianer der Unehrlichkeit beschuldigt. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß sie Vieh stehlen und daß die Ashluslays sich vor einigen Jahren durch Diebstahl achtzig Pferde zugelegt haben, daß sie einen Teil des Maises, den die Kolonisten säen, ernten usw.
Meine Erfahrung ist jedoch die, daß die Indianer recht ehrlich sind. Von seinen Freunden stiehlt man nämlich nicht. Es geschah wohl zuweilen, daß jemand z. B. meine Hosen, meinen Stanleyhelm oder meine Stiefel ohne Erlaubnis lieh, dies geschah aber nur, um ein Weilchen damit herumzustolzieren, nicht um zu stehlen.
Sicher beschuldigen die Weißen die Indianer auch solcher Diebstähle, die sie unter sich begehen. So war ich einmal in einem kleinen Kolonistenhof am Rio Pilcomayo. Der Besitzer war krank geworden und verreist. Zufällig sah ich, wie die weißen Diener in seine Vorratskammer gingen und Zucker, Konserven und Zeug stahlen. Ein junger Chorotiindianer wurde aufgefordert, den Raub zu teilen. Mit einem verächtlichen Lächeln verließ er sie.
Abb. 73. Ashluslayfischer. Rio Pilcomayo.
Als der Diebstahl entdeckt wurde, hatte natürlich das verdammte indianische Pack oder richtiger „esos indios c—s“ seine Hand dabei gehabt.