Daß die Indianer zuweilen eine Kuh stehlen und schlachten, wenn der Magen leer ist, ist nicht zu verwundern. Das würde unter ähnlichen Umständen ein Weißer auch tun.
Die Weißen nehmen den Indianern das Land stückweise ab, zwingen sie weit ab vom Flusse, wo kein Vieh in der Nähe ist, zu bauen, ohne den Indianern Arbeit zu geben. Wenn die Indianer ihr Land an die Weißen verlieren, so ist es recht und billig, daß diese ihnen so viel Arbeit geben, daß sie genügend für Essen, Werkzeuge, Kleider usw. verdienen können, denn einmal in Berührung mit der Zivilisation der Weißen, bekommen die Indianer neue Ansprüche an das Leben.
Zu meiner Ehrlichkeit hatten die Indianer ein sehr großes Vertrauen. So pflegten, als ich einige Tage mich bei dem Militärposten in Guachalla aufhielt, die Ashluslays, und darunter viele, die ich kaum kannte, ihre Habe mir in Verwahrung zu geben. Dieses Vertrauen teilte ich nur mit dem Dolmetscher Manuel Flores und mit Dr. Trigo.
Trotz ihrer Fehler sind mir die Choroti- und Ashluslayindianer sehr sympathisch. Ihre Unzuverlässigkeit, Undankbarkeit und Lügenhaftigkeit schreibe ich zum großen Teil den Weißen zu, denn diese häßlichen Seiten scheinen nur meistens bei der Berührung mit den Eindringlingen hervorzutreten.
Solche generellen Urteile, wie ich sie hier über den Charakter einer großen Menge Menschen fälle, sind natürlich immer etwas schwebend. Es gilt hier, wie bei den zivilisierten Menschen, daß die Individuen so verschieden sind. Der eine ist still und verschlossen, der andere geht lachend durchs Leben. Der eine ist äußerst eitel, dem anderen liegt nichts daran, sich geltend zu machen. Am liebsten möchte ich jedes Individuum, das ich näher kennen gelernt habe, besonders schildern, in der Regel war ich aber allzu kurze Zeit mit ihnen zusammen, um mich auf die Individualpsychologie einzulassen.
Tafel 15. Ashluslayfrau auf der Wanderung. Das Pferd ist von den Weißen gestohlen.
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GRÖSSERES BILD
Außerordentlich glücklich wäre es, wenn Dr. Trigos kluge Indianerpolitik im Chaco fortgesetzt würde. Die Indianer brauchen keine Schutzgesetze, sondern warmherzige und energische Männer, die die Gerechtigkeit mit Klugheit und Geduld, vor allem Geduld, handhaben.
Zuletzt ein paar Mutmaßungen. Dr. Trigo schätzt die Zahl der Chorotis auf etwa 4000. Ich glaube nicht, daß diese Zahl stark übertrieben ist, wenn man berechnet, daß zahlreiche Chorotis im Innern des nördlichen Chaco leben.