Wie viel Ashluslays gibt es? Moberg und der Verfasser sind in einundzwanzig Dörfern gewesen, von denen mehrere sehr volkreich waren. Berechnen wir, daß jedes Dorf durchschnittlich 200 Einwohner hat, so erhalten wir 4200 Indianer. Wahrscheinlich gibt es mindestens ebenso viele Dörfer, die wir nicht besucht haben. Ein ganzer Teil soll sich im Innern des Chaco befinden. Es würde mich deshalb nicht wundern, wenn der Ashluslaystamm nahezu 10000 Individuen zählte. Das ist natürlich nur eine Annahme. Aus der Karte sieht man jedoch, daß dieser Stamm eine große Verbreitung hat.
Ich verlasse nun die Chorotis und Ashluslays. In den Fachzeitschriften werde ich auf ihre Kunst und Industrie, die ich hier nur flüchtig berührt habe, zurückkommen.
In meinen Schilderungen ist nicht viel von der Poesie des letzten Mohikaners, ich beschreibe hier nicht die Helden der Indianerbücher, sondern ganz einfach gewöhnliche Menschen. Die Jüngsten lieben das Spiel, die Jungen die Liebe, die Alten Essen, Trinken und Tabak. Sie kämpfen, wie andere, ihren Kampf ums Dasein, und dieser Kampf ist sicher oft hart. Besser als wir verstehen sie es, zusammenzuhalten, einander zu helfen. Deshalb liebe ich sie — und ich wäre froh, wenn auch der Leser etwas Sympathie für sie bekommen hätte.
[45] Campos, Expedition Boliviana de 1883. Buenos Aires-La Plata 1888.
[46] Boggiani, Compendió de Etnografia Paraguaya moderna. Revista del Inst. Paraguayo. 1900.
[47] Domenico del Campana: Notizie intorno ai Ciriguani. Arch. per L’Anthr. e la Etn. Firenze 1902. S. 61.
Neuntes Kapitel.
Das Land der Chané- und Chiriguanoindianer.
Wie ich ein Bild des Lebens der Choroti- und Ashluslayindianer zu geben versucht habe, will ich auch die Chané- und Chiriguanoindianer und meine verschiedenen Besuche bei ihnen zu schildern versuchen. Diese Indianer stehen bedeutend höher als die „Wilden“ des Chaco. Sie leben zum allergrößten Teil in Abhängigkeit von den Weißen, und ihre alte eigenartige Kultur verschwindet immer mehr.
Die Chiriguanos sind auch jetzt zu einem ganz bedeutenden Teil Christen. Seit über 300 Jahren haben zuerst die Jesuiten und dann die Franziskaner sie mit wechselndem Erfolg zu dem alleinseligmachenden christlichen Glauben zu bekehren versucht. Bei den Chiriguanos befinden sich auch jetzt noch mehrere Missionsstationen, bei den Chanés dagegen keine.
In den Chanés und Chiriguanos lernen wir Menschen mit einer höheren Kultur kennen, Menschen, die von den Indianern, von denen wir in den vorigen Kapiteln gelesen haben, vollständig verschieden sind. Vergleiche zwischen den beiden Kulturtypen, die wir im Chaco antreffen, sind natürlich von Interesse.