Abb. 76. Chanéindianer. Rio Papapiti.
In Tihuïpa eröffnete ich einige Tage lang ein richtiges kleines Materialwarengeschäft. Indianer und Indianerinnen, besonders die letzteren, drängten sich um den Ladentisch. Es war ein eigentümlicher Laden. Kam eine Indianerin mit Geld dorthin, um zu kaufen, wurde sie vom Ladendiener höflich abgewiesen, kam sie dagegen mit einem hübschen alten Tongefäß, so wurde sie die glückliche Besitzerin von Korallen, feuerroten Bändern, Ohrringen mit wirklichen „Diamanten“, Ringen mit „Saphiren“ oder von anderem Wackeren, womit sie dann beim nächsten Trinkgelage prahlen konnte.
In diesen Missionsstationen befinden sich immer zwei Dörfer, eins für die Heiden, eins für die Christen. Ich für meine Person fühlte mich immer in dem ersteren am wohlsten, und dies nicht allein deswegen, weil dort mehr hübsche, alte Gegenstände zu sammeln waren, sondern auch, weil man dort in seinem Benehmen freundlicher, taktvoller und feiner war. Die Missionskinder waren zudringlich und frech.
Bei Machareti ist eine große Talmulde, in welcher ein kleiner Bach fließt, der nach einem heftigen tropischen Regen wahrscheinlich zu einem brausenden Fluß anschwillt und sich in den Wildnissen des Chaco verliert. Ganz nahe der Mission verläßt er die hübsch zerschnittenen Berge, wo überall in den Rissen der Klippen kleine Petroleumquellen hervorsickern. Er fließt dann durch eine Hügellandschaft, die allmählich in das gewaltige Flachgebiet des Chaco übergeht. Die Vegetation in diesen Gegenden ist keine sehr üppige. Der Wald, wenn solcher vorhanden ist, ist dünn, niedrig, strauchig und einförmig. Die Felder scheinen reiche Ernten zu geben, die Dürre selten zu groß zu sein. Oft werden diese Gegenden von gewaltigen Heuschreckenschwärmen verheert. Wie große, rotbraune Wolken habe ich diese schädlichen Tiere die Wälder bedecken gesehen.
Von Machareti gingen wir über Itatiqui, einem ganz interessanten Chiriguanodorf in einer wasserarmen Gegend, nach dem Rio Parapiti.
Dieser kommt von Pomabamba und Sauzes, von den Gebirgen der Quichuaindianer. Wenn er diese verläßt, ist er in der Regenzeit ein brausender, seine Ufer überschwemmender Strom. In der Trockenzeit führt er wenig Wasser. Auch der Rio Parapiti endet im Chaco. Während der Regenzeit verliert er sich in den Morästen, in der Trockenzeit verschwindet er in dem feinen Sand. Wenn der Rio Parapiti auf den Karten als südlichster Nebenfluß des Amazonenstromes stolziert, so ist dies also nur eine leere Prahlerei von ihm. Die Wälder längs des Rio Parapiti bestehen meistens aus Büschen und niedrigen, feinblättrigen Bäumen, Caraguatá und Kakteen.
In der Trockenzeit häuft der Wind große Dünen längs der Ufer des Flusses auf. Nachdem er die Berge verlassen hat, erhält er keinen Nebenarm. Der Rio Parapiti ist sehr breit, aber niemals tief. Während der trockensten Zeit ist sein Bett in eine Sandwüste verwandelt, wo der Wind mit dem feinen Flußsand spielt. Stürmt es, so wird der Sand über den Flußboden gepeitscht. Will man an einem solchen Tag herüber, so macht man sich vielleicht die Füße nicht naß, muß aber seine Augen hüten.
Der Rio Parapiti ist fischreich, die Fische sind aber winzig klein. Die Ufer sind recht fruchtbar, da sie aber während der Regenzeit überschwemmt werden, gehen die Ernten leicht verloren. In der Trockenzeit wird oft alles durch die brennende Dürre verzehrt. Auch die Heuschrecken hausieren in diesen Gegenden und hinterlassen in ihren eigenen unappetitlichen Körpern einen schlechten Ersatz für das, was sie zerstört haben.
Am Rio Parapiti wohnen ganz hoch oben am Gebirge die Quichuaindianer, dann kommen die Chiriguanos, hierauf nahe dem Flusse die Tapietes, auch Yanayguas genannt, danach die Chanés und zuletzt in den unbekannten Wildnissen die Tsirakuaindianer.
Mein erster Besuch am Rio Parapiti galt dem Padre Carmelo, der dort eine kleine Missionsstation unter den Chiriguanos hatte. Diesen Mönch habe ich sehr lieb gewonnen, er hatte eine so vertraueneinflößende Freundlichkeit. Er gehört zu den Missionaren, die hier erforderlich sind, Menschen, die sich für andere aufopfern wollen und können, die allen eine gleich große Freundschaft erweisen.