Ich setzte nun längs des Rio Parapiti nach Isiporenda, am Nordufer des Flusses, fort. Gegenüber Isiporenda wohnen die Tapietes. Einen Besuch, den ich bei ihnen machte, will ich später schildern.

Bei Isiporenda traf ich den ersten Chané oder, wie sie hier genannt werden, Tapuy. Ich besuchte dann den größten Teil ihrer Dörfer. Besonders machte ich mit einigen ihrer Sagenerzähler Bekanntschaft, von denen Batirayu, der Neffe des letzten großen Häuptlings Aringuis, mein guter Freund wurde.

Vom unteren Rio Parapiti begab ich mich über Charagua, einem beinahe ausschließlich von Weißen bewohnten Dorf, nach dem Caipipendital, wo ich mich bei dem Chiriguanohäuptling Taruiri aufhielt.

Man kann sich wundern, daß ein Mensch in diesem wälderlosen Tale, wo man nur ein salziges, schmutziges Wasser findet, wohnen will, im Caipipendital braucht man aber kein Wasser zu trinken, denn dort gibt der Mais herrliche Ernten und dort herrscht niemals Mangel an Maisbier. Die Bewohner des Caipipenditals sind reich, und herrscht in anderen Gegenden Not, so kommen die Indianer von weither zu diesen Stammverwandten, um ihre Kostbarkeiten gegen Mais einzutauschen.

Es ist auch für Sammler ein herrliches Tal. Silberne Schmucksachen, silberne Schalen, fein geschnitzte Musikinstrumente und viele andere Seltenheiten fanden wir in diesem Paradies des Ethnographen. Steinäxte, Ruinen, Grabfelder von verschiedenen Völkern beweisen, daß das Caipipendital lange von den Indianern hoch geschätzt war.

Tief hat das Wasser sich in dieses Tal eingeschnitten. In der Regenzeit regnet es wohl auch dort.

Von Caipipendi kehrte ich über die Berge durch ein seiner heißen Quellen und seiner Schönheit wegen berühmtes Tal nach Charagua zurück, um dann längs der Anden in der Richtung nach Santa Cruz de la Sierra fortzusetzen.

Es war im Oktober 1908. Nicht ganz ein Jahr später, im Juli 1909, besuchte ich, nach umfassenden Flußfahrten weit hinten an der Grenze Brasiliens, den Chaco wieder. In einem anderen Buche werde ich diese Fahrten auf großen, schiffbaren Flüssen und durch Urwälder, deren üppiges Grün überwältigt, schildern.

Von Santa Cruz de la Sierra kam ich, wie gesagt, im Juli 1909 nach dem Chaco zurück. Ich reiste nun zuerst über den Rio Grande nach dem Rio Parapiti, um vor allem meinen Freund Batirayu zu besuchen.

Der Rio Grande ist der südlichste Nebenfluß des Amazonenstromes. Er kommt von den höchsten Bergen der Anden und fließt bei Sucre vorüber, welche Stadt lange der Stadt La Paz den Rang als Hauptstadt Bolivias streitig gemacht hat. Wenn er aus dem Gebirge tritt, ist er ein brausender, mächtiger Fluß. Weiter unten hat er einen höchst unbeständigen, sehr wenig bekannten Lauf. Nördlich von Santa Cruz de la Sierra nimmt der Rio Grande den Rio Piray auf und vereinigt sich schließlich mit dem Rio Mamoré. Einige Chiriguanos wohnen an diesem Fluß, auch wilde Tsirakuas und Sirionos streifen in den Urwäldern an demselben umher.