Zwischen dem Rio Grande und dem Rio Parapiti ist ein höchst wasserarmes, zum großen Teil mit vollständig undurchdringlichem Gestrüpp und niedrigem Buschwald voller Caraguatá und Kakteen bedecktes Gebiet. Diese einförmige, düstere Vegetation wird hier und da durch Hügel und Grasebenen unterbrochen.

Außer den wilden Tsirakuaindianern, die diese Dickichte unsicher machen, findet man hier eine andere Merkwürdigkeit, nämlich den Guanako (auchenia). Es ist ganz sonderbar, ein Tier wie den Guanako, den man sich nur im Zusammenhang mit den kalten Hochebenen der Anden oder den oft unter Frost leidenden Pampas von Patagonien denken kann, in diesen oft von der Dürre verbrannten Gebüschen zu finden. Es wäre interessant, bestimmen zu können, ob dieser Guanako des tropischen Urwaldes wirklich derselbe ist, den man von kälteren Gegenden her kennt. Intelligente Weiße, mit denen ich hierüber gesprochen habe und die beide gesehen haben, halten sie gleichwohl für dieselbe Art.

Nach dem Rio Parapiti zurückgekommen, suchte ich Batirayu auf, mit dem ich schon 1908 intim bekannt wurde und der auch ein ausgezeichnetes Spanisch spricht.

Keinem Indianer, den ich kennen gelernt habe, bin ich so nahe gekommen, wie Batirayu. Er verstand, daß ich die alten Erinnerungszeichen aus Interesse für seinen Stamm sammele. Batirayu tat sein bestes, mir die religiösen Begriffe seines Stammes zu erklären. Des Abends saßen wir bei einer Zigarette in seiner Stube, und er erzählte von alten Zeiten, Zauberern, Häuptlingen und Geistern. Zuweilen kam ein alter Häuptling Bóyra dazu, und von ihm hörte ich viele hübsche Chanésagen. Bis spät in die Nacht hinein saßen wir und plauderten bei einem flackernden Licht, das ich mithatte, um Aufzeichnungen zu machen.

Man irrt sich sehr, wenn man glaubt, daß die Gespräche mit diesen Männern nur ein interessantes Studium waren. Ich fühlte mich wohl bei diesen feinen, taktvollen, ja, warum nicht, gebildeten Menschen. Es war eine reine Erquickung, wenn man von den oft platten, inhaltlosen Weißen kam. Batirayu ist aber auch ein ungewöhnlicher Mann, der Stoff zu einem großen Mann, der zur Untätigkeit verurteilt ist.

Batirayu ist ein Chané. Diese Indianer sprechen jetzt dieselbe Sprache wie die Chiriguanos, und zwar Guarani. Die meisten ihrer Sitten und Gebräuche stimmen auch mit denen der Chiriguanos überein, von denen sie wahrscheinlich unterworfen worden sind. Ihrem Ursprung nach sind sie indessen Arowaken und somit die am südlichsten Wohnenden dieser Gruppe, die in Südamerika und auf den Antillen eine große Verbreitung hatte und noch hat.

Wenn ich die Chanés und die Chiriguanos hier zusammen schildere, so geschieht dies, weil ihre materielle Kultur so gleichartig ist. Gleichwohl habe ich angegeben, bei welchem Stamm ich diese oder jene Beobachtung gemacht habe; dies gilt besonders für das religiöse Gebiet, auf welchem die Chanés, wenigstens am Rio Parapiti, viele alte Vorstellungen beibehalten haben, die den Chiriguanos unbekannt sind.

Batirayu erzählte mir, einige von den Chanés wüßten noch einige Worte der alten Sprache des Stammes. Besonders bei den Trinkgelagen, wenn sie betrunken sind, pflegten sie sich damit wichtig zu machen, daß sie unter sich die alte Chanésprache, die sonst den Charakter einer Geheimsprache hat, sprechen.

In Begleitung Batirayus begab ich mich nach dem Dorfe „Huirapembe“, wo die Indianer zu finden sein sollten, die am besten Chané konnten. Es war nicht leicht, ihnen ihre Geheimnisse zu entlocken. Eigentlich waren es nur die Jüngsten, die am allerwenigsten wußten, die mir etwas mitteilen wollten.[48] Eine alte Frau, die ausgezeichnet Chané können sollte, sagte, erst im Totenreiche wolle sie mich unterrichten. Da die Indianer an diesem glücklichen Platze nicht von den Weißen, auch nicht von den Ethnographen belästigt werden, war das Versprechen der Alten nicht sehr freundlich.

Bei einer Menge Ausdrücke, die Schimpfwörter sind, wenden die Chanés ihre alte Sprache an, z. B. karitimisóyti, das sie mit Sohn einer H—e übersetzen. Eine Einladung zum Koitus nennen sie pocóne. Auch Lieder finden sich in ihrer alten Sprache, z. B. siparakinánoyé, siparakinánoyé, siparakinánoyé, tonéya, tonéya, tonéya, wofür sie keine Übersetzung wußten.