Vom Rio Parapiti aus besuchte ich wieder den Chiriguanohäuptling Taruiri im Caipipendital, wo ich so viel alte Schmucksachen und andere Kostbarkeiten wie möglich zu kaufen suchte. Außer Taruiri besuchte ich auch einen anderen Häuptling, Yumbay, einen alten Ehrenmann, der mich immer zu umarmen und dabei zu sagen pflegte: „Ich bin Yumbay.“ „Ja, der große, mächtige Yumbay“, fiel ich ein, worüber der heruntergekommene arme Kerl sich sehr geschmeichelt fühlte.
Abb. 77. Von der Frau des Chiriguanohäuptlings Maringay hergestelltes Tongefäß. ⅙.
Vom Caipipendital ging ich über Pipi zur Mission bei Ivu. Diese liegt in einer trockenen, einsamen, wasserarmen Gegend, nahe einigen mächtigen Bergen, und das Leben muß da fürchterlich sein. Als die Blattern in der Gegend stark grassierten, wußte Vater Bernardino den Einzug der Krankheit in die Mission mit Erfolg durch Vakzinierung aller am Platze wohnenden Indianer zu verhindern. Vater Bernardino ist ein wirklich uneigennütziger Mensch, ein wirklicher Missionar. Infolge der Vakzinierung starb in Ivu niemand an den Blattern, während die unheimliche Krankheit unter den Weißen, einige Meilen von der Station, fürchterlich wütete. Es geschah ihnen beinahe recht. War einer an den Blattern gestorben, so wurde der Leichnam auf einen mit Papierblumen und einem Kruzifix geschmückten Tisch gelegt. Um diesen herum betranken sich die anderen Schweine und tranken so lange obligos,[49] bis sie auf den Tisch zu liegen kamen. Allein im Dorfe Cuevo starben in kurzer Zeit von zweihundert Personen sechzig. Ich habe die 140 besucht. Sie waren so lustig wie immer. Branntwein und Bier wurde in Massen verzehrt.
Dem Vater Bernardino wurde niemals die Ehre an diesem Werke zuteil, sondern den Medizinmännern, welche die Krankheit verhext hatten, so daß sie nicht nach Ivu kommen sollte. Auch die weißen Kolonisten ließen zuweilen die Medizinmänner kommen, um die Krankheit zu vertreiben. Auch sie glaubten nicht an die Vakzin.
Mit Ivu als Ausgangspunkt machte ich eine Exkursion nach dem Igüembetal, um den Chiriguanohäuptling Maringay zu besuchen. Es war ein hübscher Ritt auf hohe Bergkämme hinauf und in tiefe Täler hinab, durch eine oft großartige, farbenreiche Landschaft. Diese Täler sind waldarm. Nur in einer gut geschützten Schlucht, in welcher ein Bach hervorsickert, ist die Vegetation üppig.
Abb. 78. Von der Frau des Chiriguanohäuptlings Maringay hergestelltes Tongefäß. ⅐.
Mit dem alten Maringay wurde ich bald sehr gut befreundet. Der Alte war konservativ, hielt fest an alten Sitten und meinte, die Indianer sollten mit den Weißen auf gutem Fuße leben, ihre alten Sitten und Gebräuche aber unverändert bewahren. Sein Dorf war außerordentlich interessant und sehr reich an alten, hübschen Sachen. Die Keramik, die ich dort antraf, gehört zu dem Allerbesten, was ich bei diesen Indianern gesehen habe. ([Abb. 77] und [78].)
Von Maringay kehrte ich über die Missionsstation Santa Rosa nach Ivu zurück. Die erstere hat eine wunderbare Lage. Gleich einer alten Burg ist sie auf einem engen Hügel gebaut. Unterhalb liegen in langen Reihen die von niedrigem Wald mit Mimosazeen, Kakteen, kleinen Algorrobos und anderen feinblättrigen Bäumen umgebenen graubraunen Chiriguanohütten. Dieser Wald ist selten so dicht, daß man nicht leicht ohne Waldmesser herauskommen kann. Als ich in Santa Rosa war, herrschte Trockenzeit und alles war verbrannt. Der Regen zaubert aber wohl auch hier das Grün aus dem trockenen Boden. Manchmal bleibt aber der Regen so lange aus, daß die Indianer keinen Mais bekommen, und das bedeutet — Hunger.