Von Santa Rosa sieht man weit hinaus über die Berge und über die große Ebene Boyuovis, über das Land, welches das Vaterland der Chiriguanos war, wo sie bei Curuyuqui ihren letzten Kampf mit den Christen gekämpft haben, die sich das Recht anmaßen, alle schwächeren Völker zu bestehlen.

Nach dem Ausflug bei Maringay verließ ich das Land der Chiriguanos und Chanés und machte meinen, in diesem Buche schon geschilderten zweiten Besuch bei den Chorotis und Ashluslays.

Das von den Chiriguano- und Chanéindianern bebaute Gebiet ist wirklich sehr ausgedehnt. Es hat eine wechselnde Natur, von üppigen Urwäldern bis zu äußerst wasserarmen, vegetationsarmen Tälern und Ebenen. Es ist teilweise sehr bergig, aber die Chiriguanos und die Chanés sind keine Gebirgsvölker. Sie halten sich unten in den Tälern auf und klettern nicht, wie die Quichuaindianer, auf Gipfel und Hochebenen hinauf.

Das Tierleben in diesen Gegenden ist arm, ja sehr arm. Ein Jägervolk könnte dort niemals wohnen. Hier und da ein Rehbock, ein Wildschwein, einige Strauße, das ist alles, was man an Großwild sieht. Auch das Vogelleben ist arm. Die Zahl der Seen ist sehr gering, und ihre Größe nicht bedeutender, als daß wir sie in Europa Pfützen nennen würden. Am Rio Parapiti sieht man die ihrer kostbaren Federn wegen berühmten weißen Reiher[50] ziemlich zahlreich. Von den Waldvögeln liefert nur das Huhn „pavas“[51] einen Beitrag zum Essen. Zuweilen sieht man einen großschnabeligen „Tukan“.[52] Fette, mit Mais gemästete Tauben leben oft in Massen in den Feldern der Indianer. Im Rio Pilcomayo herrscht ein großer Fischreichtum, in den kleinen Flüssen sind die Fische klein und schlecht. Die Indianer, die diese Gegenden bewohnen, müssen Ackerbauer sein, und Maisbauer sind sie im allerhöchsten Grad. Mais ist für sie Essen, Trinken, Freude, alles!

Abenteuer habe ich von diesen Indianern nicht zu berichten. Jedermann kann unbehelligt unter ihnen reisen. Der größte Kummer des Ethnographen ist, daß er nicht alles Interessante und Alte, was er dort sieht, sammeln kann. Man kann nicht alles nach Hause mitnehmen.

Noch lebt in den Wildnissen des Chaco ein Chiriguanohäuptling Cayuhuari, in dessen Dorf kein weißer Mann gewesen ist. Es soll an einem großen See liegen. Dort weiden große Herden von Pferden und Kühen, und die Maisscheunen sind immer voll. Dort sind die Indianer reich, denn dort gibt es keine Weißen. So erzählt man wenigstens.

Cayuhuari, der seit der Empörung 1890 im Chaco lebt, hat eine weiße geraubte Frau als Schwiegertochter. Man sagt, er habe zusammen mit den Tobas die Zuckerfabriken in Nordargentinien besucht. Er hatte seine Schwiegertochter mit. Die Besitzer der Fabrik erboten sich, sie von den Indianern zu retten. „Ich will sie nicht verlassen,“ sagte sie. „Bei ihnen habe ich meine Kinder.“ Diese Antwort ehrt sie.

Die Sitten und Gebräuche der Chiriguanoindianer sind von mehreren Verfassern,[53] meistens Missionaren, geschildert worden, so daß wir mehr von ihnen wissen, als von den Chorotis und den Ashluslays.

Ein Teil von dem, was ich über diese Indianer berichtet habe, ist nicht neu, wenn auch in neuer Beleuchtung gesehen. Verschiedenes, besonders was das Religiöse betrifft, unterscheidet sich gleichwohl von den Schilderungen der verschiedenen Missionare. Was ich hierin gesammelt habe, ist von den Chanés, und die Missionare kennen die Chiriguanos am besten.

Was mich in verschiedenen Schilderungen der Missionare von den Indianern unsympathisch berührt, das ist, daß sie danach zu streben scheinen, ihre Fehler in allzu dunklen Farben auszumalen, damit ihre eigene „zivilisatorische Arbeit“ so bedeutend wie möglich wirken soll. Die Missionare scheinen mir die Religion der Indianer nicht objektiv schildern zu können.