In den Pflanzungen dieser Indianer habe ich weder gewöhnliche Kartoffeln noch Bananen gesehen. Die süßen Kartoffeln sind, nach Batirayus Angaben, in später Zeit von den Weißen eingeführt. Der Tabakbau ist unbedeutend. Die Chanés und Chiriguanos sind keine großen Raucher. Sie rauchen meist Zigaretten in Maisblättern, selten Pfeife ([Abb. 88]). Bei ihnen braucht man seine Pfeife nicht seinem Nachbar zum Weiterrauchen zu geben.

Es ist eigentümlich, wie verschieden bei den Indianerstämmen der Tabakverbrauch ist. Die Aymaras und Quichuas, die Koka kauen, rauchen sehr selten. Sie finden keinen Geschmack daran. Ebensowenig rauchten die Chacobos und Atsahuacas, zwei Stämme, die ich auf meinen Reisen kennen lernte. Als ich einem Chacobo eine Zigarette anbot, machte er nur ein paar Züge, behielt den Rauch einige Augenblicke im Munde und warf dann die Zigarette fort. Die Chacobos bauen indessen Tabak, wenden ihn aber ausschließlich als Heilmittel an. Ist einem Chacobo ein „boro“, eine Fliegenlarve, „Dermatomya“, unter die Haut gekommen, so bedeckt er die Eintrittsstelle der Fliegenlarve mit Tabakpulver und kann nach einigen Stunden die tote Larve herausquetschen. Die Chorotis und Ashluslays sind leidenschaftliche Raucher. Bei ihnen ist das Rauchen einer der höchsten Lebensgenüsse. Diese Gegensätze sind ganz sonderbar.

Die Chiriguanos und die Chanés haben ausgedehnte Anpflanzungen, die, im Gegensatz zu den Rodungen der Chorotis und Ashluslays in der Wildnis, gut gepflegt sind. Ehemals hat man Spaten aus hartem Holz mit schönen Stielen angewendet ([Abb. 89]), diese sind aber jetzt außer Gebrauch gekommen und vollständig durch eiserne Spaten verdrängt worden. Die Felder liegen nicht selten weit von den Dörfern, wie z. B. im Caipipendital. Dies hängt damit zusammen, daß nicht überall das ganze Jahr Wasser in der Nähe der Pflanzungen vorhanden ist.

Die gewonnenen Früchte werden, wie schon erwähnt, in auf Pfählen gebauten Scheunen ([Abb. 84]) verwahrt, um sie wenigstens etwas vor Ratten, Feuchtigkeit usw. zu schützen. Diese Scheunen sieht man, außer bei den Chanés am Rio Pilcomayo, überall.

Die Felder sind mit gestrüppförmig gebauten Zäunen eingezäunt, deren Übersteigung oft Schwierigkeiten macht. Eine Düngung der Felder kommt nicht vor. Dagegen läßt man einen ausgenutzten Acker brach liegen.

Die Zeit des Säens wird nach der Stellung des Siebengestirns, „ychu“, bestimmt. Geht dieses sehr früh am Morgen über den Horizont, so ist Saatzeit. Wenn die Regenzeit beginnt, muß alles gesät sein.

Die Männer roden und säen. Bei der Ernte helfen alle mit, Männer, Frauen und Kinder. Bei den Chanés im Itiyurotal säeten die Männer den Mais, d. h. sie besorgten die größeren Pflanzungen, während die Frauen Gärtner waren und Kürbisse, Bohnen usw. pflanzten.

Die Chanés und die Chiriguanos sind keine großen Jäger. Vielleicht hat man früher mehr gejagt. Ihre Jagdwaffen bestehen aus Pfeil und Bogen. Zur Wildschweinjagd werden Keulen angewendet, zur Straußenjagd wurden früher die Boleadora, „churima“ benutzt. Schlingen und Vogelnetze kommen auch vor. Früher trugen die Jäger eine offenbar den Spaniern nachgeahmte, nach europäischem Schnitt zugeschnittene Tracht aus Leder.[65] Diese durfte nicht im Hause hängen. Früher durfte auch bei den Chanés am Rio Parapiti kein Fleisch im Hause gekocht werden, sondern dies mußte ein Stückchen davon geschehen. Die Knaben sind natürlich eifrige Jäger kleiner Vögel. Sie benutzen manchmal, wie auch die Männer, Tonkugelbogen.

Man hat eigens für die Wildschweinjagd abgerichtete Jagdhunde. In einem Chanédorf am Rio Itiyuro sah ich, wie man allen Hunden ein rotes Kreuz auf den Kopf malte, damit sie nicht von einem in der Nähe grassierenden tollen Hunde gebissen würden. Es war wirklich spaßhaft zu sehen, wie diese heidnischen Chanés ihre Hunde mit dem Kreuzzeichen gegen die Tollwut schützten.

Batirayu erzählte mir, die Chanémänner dürften, wenn sie auf die Jagd gingen, in der Nacht vorher nicht bei ihren Frauen schlafen.