Nicht so selten nehmen die Indianer lange Reisen vor, um zu fischen. So pflegen die Chanés zuweilen während der Trockenzeit die Sümpfe, „Madrejones“, in denen der Rio Parapiti sich verliert, zu besuchen.
Es ist merkwürdig, daß Völker, die so viel fischen, so wenige Fischereigeräte kennen. In meiner Schilderung der Chorotis und Ashluslays haben wir mit dieser Armut schon Bekanntschaft gemacht.
Moberg und der Verfasser wollten einmal am Rio Pilcomayo den Indianern etwas von unseren Erfahrungen im Fischfang zum besten geben und fabrizierten nun eine Reuse, über die wir nicht wenig stolz waren. Wir setzten sie in der vollen Überzeugung aus, daß sie am Morgen voller Fische sei. Holz und Abfälle aller Art war alles, was wir fingen, und ich kann nicht leugnen, daß die Indianer uns ein wenig auslachten.
Der Grund der Armut dieser Indianer an Fischereigeräten ist nicht der Mangel an Ideen, sondern ein anderer. Es passen ganz einfach wenige Fischereimethoden für diese Gewässer. Ein Netz des Nachts aussetzen, geht nicht an, denn wenn ein Palometafisch in das Netz gerät, schneidet er dasselbe mit seinen messerscharfen Zähnen sofort entzwei. Angelfischerei treiben, wo es solche Fische gibt, ist auch nicht verlockend, denn sie beißen die Angeln ebenso leicht, wie die Angelschnüre, ab, wenn sie nicht aus sehr gutem Material sind. In diesen tropischen Gewässern modern auch die Fischgeräte schneller, als bei uns, man darf sie also nicht eine ganze Nacht über im Wasser lassen.
Die Chiriguanos und Chanés haben keine Fahrzeuge. Sie sind dagegen außerordentliche Water, und hier während der Regenzeit in den Flüssen waten, ist gerade keine Kleinigkeit. Hat man jedoch einen dieser Indianer als Beistand, so kommt man, wenn es überhaupt möglich ist, doch hinüber.
Als eine Eigentümlichkeit kann ich erwähnen, daß ich während meiner ganzen Reise niemals einen eingeborenen Weißen oder Mestizen habe fischen sehen. In Bolivia ist es nicht fein, frische Fische zu essen. Am Rio Pilcomayo aßen die Offiziere der Militärposten beinahe niemals die leckeren, frischen, lachsähnlichen Fische aus dem Flusse, sondern zogen Büchsenlachs aus Alaska vor. Da dieser, wenn er nach Bolivia kommt, sehr alt ist, schmeckt er schrecklich. Die Angelfischerei ist auch die einzige Fischereimethode, welche die Indianer von den Weißen gelernt haben.
Abb. 91. Netz. Chiriguano. Rio Parapiti. ca. ¹⁄₁₂.
Von Haustieren haben die Chiriguanos und Chanés nur die Hunde nicht von den Weißen bekommen. Diese Hunde scheinen mir jetzt stark mit fremdem Blut vermischt zu sein. Sie haben immer Namen, z. B. tirupotchi (altes Kleid), chapikáyu (gelbe Augenbrauen). In der Regel haben die Chiriguanos und Chanés weniger Pferde, Kühe, Esel, Schafe und Ziegen, als die Chorotis und Ashluslays. Hühner und Schweine haben sie dagegen mehr. Zuweilen sieht man Enten, Perlhühner und Truthähne. In gewissen Gegenden, wie z. B. im Caipipendital, wo die Indianer reich sind, haben sie gleichwohl viel Vieh. Was sie besitzen, suchen ihnen die Weißen leider auf alle Weise abzuschwindeln. So ist es nichts Ungewöhnliches, daß ein weißer Mann oder eine weiße Frau mit einigen Fäßchen Branntwein in ein Dorf kommt und dasselbe mit einem Paar der besten Kühe der Indianer verläßt. Die Weißen werden reicher, die Indianer ärmer.
Die Menagerie gezähmter Waldtiere, die man in den Dörfern der primitiveren Indianer sieht, findet man bei diesen Indianern nicht. Ein Papagei, der etwas Guarani spricht, ist jedoch in den Hütten nichts Ungewöhnliches.