Als Vixen vor der Höhle anlangte, war das Murmeltier wieder so weit bei Sinnen, daß es etwas zappelte. Ein unterdrücktes »Wuf« der Alten brachte die Kleinen aus der Höhle heraus, wie Schuljungen zum Spielen. Sie warf ihnen das verwundete Tier vor, und wie vier kleine Teufel stürzten sie sich darauf, schwache Freudenschreie ausstoßend und mit aller Kraft ihrer kleinen Kinderzähne zubeißend. Jedoch das Murmeltier kämpfte für sein Leben, und die Quälgeister abschüttelnd, hinkte es langsam nach dem schützenden Dickicht davon. Die Füchschen verfolgten es wie eine Meute Hunde und zogen es am Schwanz und Fell, konnten es aber nicht zurückhalten. Da kam die Mutter zu Hilfe, mit einigen Sätzen hatte sie es überholt und zog es wieder ins freie Feld zurück, zur Belustigung der Kinder. Dieses grausame Schauspiel wiederholte sich einigemal, bis einer der Kleinen jämmerlich zerbissen war und sein Schmerzensgeschrei die Mutter bewog, dem jammervollen Dasein des Murmeltieres ein schnelles Ende zu bereiten. –

Nicht weit vom Neste entfernt war eine mit hohem Gras überwucherte Talsenkung, der Spielplatz einer ganzen Ansiedlung von Feldmäusen. Die erste Unterweisung in der edlen Weidmannskunst, die die Kleinen, entfernt von ihrer Behausung, erhielten, war in dieser Niederung. Hier hatten sie ihre erste Übungsstunde in der Mäusejagd, der leichtesten Jagd von allen. Bei der Belehrung war die Hauptsache das Beispiel der Mutter und der angeborene Instinkt. Die Alte bediente sich einiger Zeichen und Winke, die z. B. bedeuteten »Liegt still und paßt auf« oder »Kommt und macht mir alles genau nach« usw.

An einem stillen Abend zog die ganze Familie vergnügt nach der Niederung, und Mutter Fuchs hieß die Jungen im Gras stilliegen. Ein leises Quieken bewies die Anwesenheit des gesuchten Wildes. Vixen erhob sich und lief auf den Zehenspitzen in das hohe Gras; sie kroch nicht, sondern machte sich so hoch, als sie konnte, und stand zuweilen auf den Hinterfüßen, um besser Umschau halten zu können. Die Pfade, welche die Mäuse zu nehmen pflegen, sind unter dem Gewirr des Grases verborgen, und das einzige, wodurch sich der Aufenthaltsort der Mäuse feststellen läßt, ist das leichte Bewegen der Halme; das ist der Grund dafür, daß man dieser Jagd nur an windstillen Tagen obliegen kann.

Die Kunst dabei ist nun, den Ort zu bestimmen, an dem die Maus krabbelt, und sie mit einem Satze zu packen, ohne sie vorher gesehen zu haben. Nach einigen Sekunden Wartens tat Vixen einen Sprung, und mitten in dem Büschel vertrockneten Grases, das sie packte, quiekte eine Feldmaus zum letztenmal.

Sofort war sie verschlungen, und die vier häßlichen kleinen Füchse versuchten nun, es ihrer Mutter nachzutun. Als der Älteste zum erstenmal in seinem Leben solch ein zappelndes Wesen erwischte, zitterte er vor Erregung und grub seine perlenweißen, kleinen Milchzähne in die arme Maus mit einer angeborenen Wildheit, die ihn selbst zu überraschen schien.

Eine weitere Lehrstunde wurde an einem Eichhorn erteilt. Eines von diesen lärmenden, sehr nervösen Geschöpfen wohnte dicht neben der Behausung der Füchse und pflegte den halben Tag damit zuzubringen, die ehrenwerte Familie von irgendeinem sicheren Zweige aus zu beschimpfen. Die Jungen machten viele vergebliche Versuche, es zu erwischen, wenn es von einem Baum zum anderen über die Lichtung rannte oder sie aus nächster Nähe mit den gemeinsten Schimpfreden überschüttete. Alt-Vixen war sachverständig in der Naturgeschichte; genau kannte sie die Gepflogenheiten eines Eichkätzchens und nahm die Sache in die Hand, sobald es ihr angemessen erschien. Sie versteckte die Kinder und legte sich flach mitten in der Lichtung nieder. Das freche, niedrig denkende Eichhorn kam und begann wie gewöhnlich zu schimpfen. Jedoch die Füchsin zuckte mit keiner Wimper. Das Eichkätzchen kam näher und schrie schließlich von einem Zweig über ihr herunter: »Du Lump du, du Lump du.« Aber Vixen lag da wie tot. Das schien dem Eichhorn höchst merkwürdig. Sich ängstlich umschauend, kam es den Baumstamm herab und lief mit einem kräftigen Anlauf über den Rasen hinüber nach einem anderen Baum, um dort seine Schimpferei von neuem zu beginnen.

»Du Lump du, du trauriger Lump du, Skrrr – skrrr.«

Aber unbeweglich und leblos lag Vixen im Grase. Das war dem Eichhorn denn doch zu viel. Es war von Natur aus neugierig und abenteuersüchtig. Wieder kam es von seinem Baum herunter und eilte über die Lichtung, diesmal näher als zuvor.

Wie tot lag Vixen, »sicherlich, sie war tot«. Die kleinen Füchse fingen an zu glauben, ihre Mutter sei eingeschlafen.