O du Prophet des Unglaubens! . . .

Aber ganz leicht muß es doch nicht sein, so ganz ohne die Rechenmaschine „Gut und Böse“ auszukommen. Ich selbst darf mich allerdings nicht beklagen. Ich habe einen so wetterfesten Humor mitbekommen, daß ich gegen alle regnerischen Überraschungen der Frauen gefeit bin. Ich habe noch ein Gelächter im Zwerchfell, wo andere schon nach Mord und Selbstmord schielen.

Einmal bekam ich einen Brief, indem sie mir schrieb, sie wolle mir bis ans Ende der Welt folgen. Und das war keine Lüge. Hätte ich geschrieben: „Komm“, sie wäre gekommen. Aber trotzdem stand in einem Nachsatz: „P. S. Ich habe hier übrigens einen Rechtsanwalt wieder getroffen, den ich im letzten Winter auf einem Ball kennen lernte.“

Na — es war so klar; sie betrog mich. Aber ich war ganz begeistert über diese Mitteilung. Ich hätte gar nicht hinfahren brauchen, um mich zu überzeugen. Es war mir geradezu, als ob in dem Brief stünde: Liebster, ich betrüge Dich, herzlichen Gruß Deine Dich treu und ewig liebende Margarethe.

Ach, ich kann ja gar nicht sagen, wie begeistert ich war!

Aber ich fuhr natürlich doch hin, ging auf den Herrn Rechtsanwalt, als er an ihrer Seite daher kam, zu und schlug ihm eins, zwei den Hut vom Kopf. Trotz meiner Begeisterung.

Ja, so ist man.

Und die Sache nahm noch ein viel fröhlicheres Ende. Denn trotzdem sie mich brutal genannt hatte, kam sie doch am Abend zu mir ins Hotel und hatte ihr bestes Kleid angezogen. Nun, da wußte ich ja Bescheid. Aber in dem Hotel konnte ich nicht bleiben. Wir mußten umziehen. Denn dort hätte uns ja niemand geglaubt, daß wir ein legitimes Recht auf ein Zimmer mit zwei Betten hätten. Das wollte sie nämlich diesen Abend unbedingt.

Wenn man sagt: Selbst in der vornehmsten Dame steckt eine kleine Göre, die noch gern einmal eine Nase schneidet und die Zunge herausstreckt, — so glaubt alle Welt, man wolle sich über die Frauen lustig machen.

Eine Dame sagte einmal ganz empört darauf zu mir: „Vielleicht auch in der Königin von England?“ „Warum nicht?“ sagte ich, „ich will nicht hoffen, daß die Engländer von einer Gouvernante regiert werden.“ Darauf drehte sie mir den Rücken zu und ging stracks davon. Das tat sie aber nur, weil sie so prachtvolle Schultern hatte. Ja, prachtvolle Schultern und einen geschmeidigen, freien Gang. Ich mußte ihr ganz berauscht nachblicken. Und sie fühlte auch wohl, daß sie Eindruck auf mich gemacht hatte, denn sie blickte sich nicht ein einziges Mal um.