Aber als er dort an der Brücke stand und Beatrice unter den Frauen vorüberging, da war es, als sei alles Glück, aller Rausch und Seligkeit dieser Welt in dieses eine gewaltige, glühende Herz gegossen. Der Schein, der aus jenen Augen brach, schuf an ihr die Schönheit der Frauen kommender Jahrhunderte . . .

Wenn sie durch die Straßen schreitet oder ihre Schönheit in Sälen zeigt, wenn die Menschen sich nach ihr umwenden, ist mir, als bewunderten alle mein Werk. Ich habe sie gelehrt, sich so zu tragen mit diesem königlichen Anstand, ich habe sie ihren stolzen Gang, das Neigen ihres Hauptes, das Heben ihrer Hände gelehrt . . . .

Ich liebe dich!

Du bist mir wie ein Gebet in der Kirche. Seit ich dich kenne, bin ich wieder fromm wie ein Knabe. Es gibt einen Gott, es gibt eine Unsterblichkeit, es gibt Ewigkeit. Es gibt wieder alles, was es als Kind gab: Geborgensein, Ruhe, Stille. Meine Liebe hüllt mich wie in eine duftende goldene Wolke. Ich bin wie verwandelt.

Ich liebe dich.

Ich will nicht vor dir niederknien und dir keinen Thron errichten. Für den Himmel bist du mir zu gut. Ich will dich wie du bist, mit allen deinen Menschentugenden und Menschenfehlern, mit deinen rätselhaften Schönheiten und deinen schönen Rätseln.

Ich liebe dich.

Den 18. August. Dieser vertrackte Kerl! Er macht mir weiß Gott zu schaffen. Sie werden sehen, daß er mit der Gioconda ernst macht. Er bestimmt sich obendrein Zeit und Ort und Stunde und führt den Diebstahl aus, wie es ihm paßt.

Ich habe es doch heute gesehen. Kam nicht alles, wie er es vorausgesagt hatte? Wort für Wort? Von dem rötlichen Stahl angefangen bis zu dieser mysteriösen Inschrift: Tibi Gioconda?

Von halb fünf ab hielt ich mich bereit. Ich wollte doch sehen, was es denn mit dem Dolch für eine Bewandtnis hätte. Genau zur festgesetzten Zeit — meine Uhr zeigte 13 Minuten bis fünf — stand er auf, nahm seine Mütze und ging. Ich ließ ihn keinen Augenblick aus den Augen und folgte ihm unbemerkt. Immer sah ich seinen gelben Mantel auf der Straße zwischen den Passanten auftauchen. Es war leicht, ihn im Auge zu behalten. Übrigens konnte man am Schritt sehen, wie sicher er seiner Sache war. Er ging gar nicht aufgeregt, sondern ganz ruhig und zielstracks geradaus.