Fünf Minuten nach fünf legt er die Hand auf den Drücker der Ladentüre und tritt ein. Herr Duval steht sechs Schritte von ihm entfernt und betrachtet eben eine Wedgewood-Schüssel. Er grüßt, geht auf den Kunsthändler zu und sagt: „Sie besitzen einen Toledaner Dolch. Aus rötlichem Stahl. Eine Arbeit aus dem 14. Jahrhundert. Nicht wahr?“

Der kleine graue Mann rückt an seiner goldenen Brille, sieht ihn etwas verdutzt an und sagt: „Nein, mein Herr, einen solchen Dolch habe ich nicht; aber vielleicht ist Ihnen mit einer anderen, einer italienischen Arbeit gedient? Ich habe . . .“

„Nun, erinnern Sie sich nur. Der Dolch trägt die Aufschrift: Tibi Gioconda.“

„Aber, wenn ich Ihnen doch sage . . .“

„Ich versichere Sie, Herr Duval . . .“

„Ha, ha, Sie versichern mich! Sehr gut, sehr gut. Nein ich versichere Ihnen, mein Herr, ich versichere Ihnen . . .“

„Herr Duval, Herr Duval“, schreit plötzlich aus der hintersten Ladenecke eine Stimme: „Wir haben sie . . . Wir haben sie . . .“

Herr Duval entschuldigt sich plötzlich und rennt zwischen all seinen Möbeln, Leuchtern und Spiegeln nach dem hinteren Ende des Ladens: „Wen denn? Wen habt ihr denn?“ ruft er.

„Die Truhe, Herr Duval . . . Sehen Sie nur, da stand sie, hinter dem Louis-seize. Mein Gott, ist sie dreckig, voller Staub!“

Herr Duval ist keiner von jenen modernen Verkäufern, die immer nur Geschäft sind und wie Automaten aussehen. Sein Geschäft ist sozusagen ein Appartement seiner Wohnung, ein Teil seiner Familie. Wer in sein Geschäft kommt, der kommt in seine Familie und nimmt an deren Leiden und Freuden teil.