Herr Duval kommt also mit einer halbgroßen, ganz verstaubten Truhe, die ihm ein Lehrling mit schwarzen Haaren und einem Sommersprossen besäten Gesicht tragen hilft, wieder nach vorne und beginnt gleich zu erklären:
„Endlich also, endlich haben wir ihn, den Ausreißer. Denken Sie nur, mein Herr, vier volle Wochen versteckt sie sich hinter einem Louis-seize-Spiegel. Ich dachte schon, jemand hätte sie gestohlen. Diesen Bengel da hatte ich weiß Gott in Verdacht. Ich hatte mich schon an die Polizei gewendet. Wo sollte sie denn geblieben sein? Nun, jetzt haben wir sie! Ja, ja. Interessieren Sie sich für Renaissancestickereien? Geben Sie acht; hier haben wir nämlich einen der kostbarsten Erzbischofsmäntel, die je angefertigt wurden. Ach, Sie werden staunen, mein Herr, welch eine kostbare Arbeit, welch’ eine Arbeit!“
Und während er das sagt, hat Herr Duval die Truhe sorgfältig von allem Staub gereinigt und entnimmt ihr jetzt vorsichtig und fast mit einer gewissen Andacht einen großen kostbar gestickten Erzbischofsmantel aus schwerem Goldbrokat.
„Sehen Sie, das ist eine Arbeit! Und wie erhalten, was? Als käme er eben aus den zarten Fingern der Goldstickerinnen. Sehen Sie nur, sehen Sie. Die Farben sind ein wenig geblaßt. Aber das gibt dem Golde einen intimen, ich möchte sagen, herbstlichen Reiz, nicht wahr? Ja, einen herbstlichen Reiz, das kann man wohl sagen. Oder erinnert es Sie mehr an unseren Pariser Frühling?
Ach, Sie können ihn ja so nicht sehen. Georges, stelle dich einmal hierher.“
Und er hängt dem sommersprossigen Jungen den Erzbischofsmantel so über seinen kurz geschorenen Kopf, daß von dem Bengel überhaupt nichts mehr zu sehen ist. Aber der Mantel schleift noch am Boden.
„Oder haben Sie Lust, sich einmal selbst als Erzbischof zu sehen? Haha, Sie werden sich gut darin ausnehmen mit Ihrer Habichtsnase. Entschuldigen Sie. Sehen Sie so — so. Und nun betrachten Sie sich einmal im Spiegel. Ich sage es ja, nur die Mütze fehlt. Sie sind ein geborener Erzbischof, mein Herr. Schnell, Georges, unsere Mütze und den Bischofsstab . . .“
Plötzlich aber schlägt der als Erzbischof Verkleidete den Mantel, der innen mit brennend roter Seide gefüttert ist, zurück und hält dem Kunsthändler einen langen Dolch aus rötlichem Stahl entgegen.
„Sehen Sie, Sie besitzen ihn doch, Herr Duval.“
„Mein Gott, mein Gott, was ist das, was ist das! Wie kommen Sie zu dem Dolch? Wie . . .?“