Na, den übrigen geht es ja nicht viel besser. Heute wollte er sogar eine Wette mit mir abschließen, daß es ihm gelingen werde dem Schauspieler Grunwald binnen einer Stunde siebzehn Zitate aus Shakespeare und Oskar Blumenthal aus der Nase zu ziehen. Ich bin überzeugt, er tut es, trotzdem ich ihm die Wette verweigert habe.
Und ohne daß der gute Herr Grunwald etwas ahnt, wird er sich von ihm Komödie ohne Honorar und ohne Lorbeerkränze vorspielen lassen.
Gestern, während er in der Kajüte schlief, erzählte ich die Sache übrigens den Damen.
Ich sagte, ich habe einmal einen Menschen gekannt, der sei so und so gewesen und habe die Leute aufgezogen wie die Uhren. Ein englischer Geistlicher in der Nähe von Liverpool.
Alle waren empört über so einen Menschen. Das sei ja furchtbar gemein. Ja, gemein, sagten sie. Da müßte man ja immer fürchten, zum besten gehabt zu werden. Ein Mensch sei doch keine Marionette, die man am Seil tanzen lassen könne wie man wolle.
Ja, die Damen waren alle außerordentlich erregt über so etwas. Besonders, da ich dummerweise den Versuch machte, den englischen Geistlichen zu entschuldigen, indem ich sagte, vielleicht sei es ein Mensch gewesen, der unter den Mechanischen im Leben sehr gelitten und sich auf diese Weise hätte Luft machen wollen.
Das wollten die Damen aber nicht verstehen.
Am meisten griff das Gespräch wohl Frau Sturi an; sie bekam sogar ganz hektische, rote Flecken auf den Backen und fiebrische, feuchtglänzende Augen. Sie sah so sehr häßlich aus, aber irgend etwas zwang sie wohl zu bleiben; denn obgleich sie mehrmals sagte, das könne man gar nicht mit anhören, blieb sie doch, gerade als warte sie darauf, daß noch mehr kommen solle.
Wenn ich übrigens die Augen recht im Kopfe habe, so ist da etwas zwischen ihm und Frau Rosenborg, der dänischen Schauspielerin. Sobald sie ihn sieht, wird sie geradezu schön, während sie sonst leicht ein bißchen alt und krank aussieht. Aber dann hat sie plötzlich den Zauber einer jungen Frau, die schön ist und es weiß, und beim Lachen zeigt sie die ganze Reihe ihrer wundervollen, weißen Zähne. Dann blühen ihre Wangen. Sie hat rötliches glänzendes Haar und einen geschmeidigen, leichten, graziösen Körper. Weiß oder lila kleidet sie am besten, ein Lila, das nach dem Rosaroten hin geht.
Sie ist immer elegant gekleidet. Gestern aber, weil es regnet, hat sie ein graues Lodenkape umgehängt und kommt damit auf Deck. Ich sitze gerade da und denke, was nun aus der Gioconda werden soll. Dabei sehe ich, wie er Frau Rosenborg eben bemerkt hat und auf sie zugeht. Und wirklich, sie lächelt ihm auch schon entgegen und will gerade die Hand unter dem Kape freimachen, um sie ihm entgegenzustrecken. Aber als er herangekommen ist, sieht er sie nur wie flüchtig an und geht, die Hände auf dem Rücken, an ihr vorüber.