Und nun habe ich eben in diesem Hause, im zweiten Stock, bei Frau Witwe Labrouquet gestern ein Zimmer gemietet! —

So — ja so, als sei ich besonders hierher nach Paris gekommen, um bei Frau Witwe Labrouquet und ihrem lahmen Sohn zu wohnen!

Es ist einfach lächerlich!

Den 6. August. Ich verfalle wieder auf ein altes Mittel: alle quälenden Unruhen und zermürbenden Gedanken, die ganze Vergangenheit, die sich hinter mir auftürmt und auf mich herabzustürzen droht, die Unrast und Unbeständigkeit, die mich von Ort zu Ort treibt, die mir nirgends Ruhe läßt, meine Tage und Nächte durchtobt, dadurch zu bannen, indem ich schreibe . . .

Wenn ich mir wieder etwas aus meinem Leben erzähle, wenn ich aus meinen grauen und grünen Erinnerungen wieder kleine, zarte Gespinste hervorsuche, Träume, Leidenschaften, Gebete, — Begegnungen mit anderen und mir — geflüsterte, ungehörte, verwehte Dinge herbeirufe . . . ach, vielleicht werde ich dann noch einmal alles zurückdrängen können. Ich werde den Mächten, die mich und alle verfolgen, entrinnen, wie ein Dieb. Ja, wie ein Dieb, der sich geschickt in einem Kellergewölbe zu verbergen wußte, von dem niemand weiß, wo er geblieben ist, und an dem die hastigen Polizisten vorbeirennen, bis sie spät ihren Irrtum gewahr werden. Aber hallo! Jetzt hat der Dieb zwischen seinen grauen Kellerwänden neue Kräfte gesammelt und rasender als je fliegt er die langen Straßen hinab. Hinein in ein Haustor, durch den Korridor in den Hof, einen Blitzableiter hinauf, auf das Dach des allerhöchsten Hauses und ratsch — weg ist er. Weg, als hätte ihn der Himmel verschluckt.

Weiß Gott wie heiß mir wird, wenn ich an eine solche Diebsjagd denke!

Aber schön ist das, wundervoll. Das heißt natürlich, wenn man der Dieb ist. So alles auf den Fersen zu haben, einer gegen zwanzig, gegen hundert, und dann mit allen Anstrengungen des Geistes und Körpers arbeiten, arbeiten, arbeiten, daß einem der Schweiß perlt. Alles gedoppelt: Gesicht, Gehör, Geruch; spähen, jede Kleinigkeit berechnen, ausnützen und Sieger sein zuletzt, Sieger!

Ach ja . . . . wenn es nur leichter wäre, Diebstähle zu begehen . . . .

Ich erinnere mich noch deutlich an die furchtbare Angst, die ich in Messina ausstand, als ich mir einmal vorgenommen hatte, eine Apfelsine zu stehlen.

Ja — ich wollte mir die Langweile damit vertreiben, mir zu zeigen, ob ich Mut hätte. Mut, eine Apfelsine zu stehlen.