Da aber dreht er den Kopf zur Seite, sieht sie fast träumerisch und lächelnd zugleich an und sagt: „Auf mich. Ich warte auf mich. Frau Sturi. Auf mich!“

Frau Sturi erzählte die Sache nachmittags in dem kleinen grünen Teezimmer. Sie war noch ganz empört. Ob das nicht eine maßlose Frechheit sei, eine ganz maßlose Einbildung und Arroganz!

Ja, das fanden sie nun allerdings alle, wenn sie ihm auch nicht gerade so böse sein konnten deswegen.

Nach einer Weile aber, während der alle schwiegen, sagte Fräulein Gabler mit ein wenig schüchterner Stimme: eigentlich brauche das gar nicht arrogant zu sein. Man könne sich doch auch etwas anderes dabei denken. Und dabei sah sie sich etwas scheu unter den Damen um, ob jemand sie vielleicht verstände.

Aber die Damen verstanden sie nicht und fanden, daß es eben nur arrogant sei und nichts darüber.

„Nun, was man sich denn noch anderes dabei denken könne?“ frug schließlich Frau Sturi. Aber da wurde Fräulein Gabler verlegen. Sie versuchte sich zu erklären, aber die Worte fehlten ihr und sie wurde sogar ein wenig rot.

Zum Glück nahm Frau Rosenborg sich ihrer an und gab dem Gespräch eine andere Wendung.

Den 25. August. Zum Teufel auch, wie sehr sind unsere jungen Damen zu beneiden! Eine Verbrechergeschichte an Bord, eine Seereise mit dem Diebe der Gioconda! Es flüstert hier und es flüstert dort. Ich sehe ja, daß alle es wissen.

Ha, das ist eine Situation für mich!

Da wird von den gleichgültigsten Dingen gesprochen; alle machen so unschuldige Gesichterchen wie Liebende, die sich eben hinter einem Zaun geküßt und geküßt haben, und denen nun noch die ganze hübsche Geschichte der letzten fünf Minuten auf Haupt und Haar geschrieben steht. Haha, und wenn sie an einem vorbei sind, da geht ein Getuschel, ein Getuschel los und die junge Dame wird sogar noch ein bißchen rot, wenn sie eine gute Kinderstube gehabt hat. Aber gar der junge Mann wie armselig-köstlich sieht er aus mit seinem mutig-schlechten Gewissen und seiner geküßten kleinen Sünde da an der Seite.