Ja, genau so ist es jetzt bei uns. Überall, in jedem Eckchen und jedem Winkel sieht man so ein Pärchen stehen, das leise und ach, mit so neugierig-klugen Augen miteinander tuschelt und flüstert und fragt, bis irgendein Dritter vorbei kommt, von dem man „noch nicht weiß“, und der dann nichts weiter zu hören bekommt, als ein unmerklich lauteres: „Ja, es soll mich mal wundern, was daraus wird!“ Oder das Meer hat plötzlich „eine so prachtvolle Farbe, wie Smaragd, ja wie Smaragd“. Und man sieht hinaus aufs Meer mit Augen, die sich gar nicht satt sehen können, während die Ohren doch nur dem abnehmenden Schall der vorübergehenden Schritte lauschen. Schon dreimal habe ich heute gehört, daß das Meer „wie Smaragd“ sei. Na, kann etwa nicht jeder an einem Gespräche darüber teilnehmen daß das Meer wie Smaragd sei? Nur das „wie“ müßte nicht so stark betont werden, da merkt man ja wohl, daß es gar nicht so sehr auf das Meer ankommt.
Es ist wirklich famos, daß wir so viele junge Frauen an Bord haben. Was bekommt man doch überall für ein prachtvoll verheucheltes Lächeln zu sehen, wenn man irgendwo hinzutritt. Frau Rosenborg muß man sehen; wie prachtvoll lügt sie; was sage ich, vom Kopf bis zu Fuß ist sie plötzlich eine einzige glänzende Lüge. Hände, Haltung, die Lippen, die Mienen, alles an ihr lügt plötzlich, verschweigt, vertuscht, lenkt ab, spielt die große Komödie der Unbefangenheit! Sogar die Augen machen eine ganze Weile diese Komödie mit, bis sie auf einmal aus der Rolle fallen und sagen: Gauner, du alter Schurk, du — weißt du es nun oder weißt du es nicht?
Ha, und wie famos frech lachen einem diese glänzenden Augen ins Gesicht!
Aber um Gottes willen nicht davon sprechen; kein Sterbenswörtchen . . . Nein, das würde ja den ganzen Spaß auf einmal verderben!
Wie ein Lauffeuer hat sich die Geschichte über das ganze Schiff verbreitet. Überall brennt und flackert die rote Neuigkeit; aber niemand weiß natürlich von etwas! Gott bewahre!
Wem verdanken wir diese Neuigkeit? Fräulein Holm, dem reizenden Fräulein Holm. Der Agent war ja gleich verschossen in sie über beide Ohren. Das will nun ein Agent sein!
Fräulein Holm hätte das Geheimnis zu gern für sich behalten. Aber so nah wie sie mit Frau Rosenborg seit drei Tagen befreundet war. Nein, das ging nicht. Aber gleich nachdem sie es gesagt hatte, tat es ihr wieder leid.
Eigentlich wußte man doch gar nicht, ob man sich schon so nahe stand!
Bei Frau Rosenborg war die Sache natürlich ganz anders. Sie sagte kein Sterbenswörtchen — aber wer mit ihr gesprochen hatte, der wußte genug. Frau Rosenborg sagte es nämlich gewissermaßen zwischen den Zeilen und „wenn man wüßte“ . . . und „ich weiß nichts“. Und bei „ich“ zog sie die Schultern hoch und lachte komisch. Den Rest sagten die Augen. Verteufelt freche Augen, ganz verteufelt freche Augen . . .
Aber die Sache ist jetzt die, daß eigentlich niemand recht weiß, wer zu den Eingeweihten gehört und wer nicht. Alle betrachten sich ein wenig mißtrauisch und sehen einander beim Sprechen auf die Lippen, als könnten sie es da erfahren.