Die Damen waren baff.

„Es war ein sehr eigentümliches Bild,“ fahre ich fort — die Damen erholten sich nicht von ihrem Staunen — „ich muß schon sagen, es ist mir wohl verständlich, daß jemand auf den Gedanken kommen konnte es zu stehlen. Wissen Sie, es reizte einen ordentlich dazu. Ich meine dieses Weib, es war doch wie aus Fleisch und Blut. Nicht wahr? Und dieses Lächeln, nächtelang hat es mich verfolgt. Ich sah überhaupt zuletzt nur noch dieses Lächeln. Ich sehe es überall; es kam mir weiß Gott vor, als lächelten alle Frauen so, und das machte mich förmlich rasend. Wenn ich das Bild gestohlen hätte — sehen Sie, jetzt kann ich es Ihnen ja sagen — ich hatte nämlich auch einmal die Absicht, ja, weiß Gott, ich hatte die Absicht, aber ich bin ja viel zu feige dazu — ja, was wollte ich sagen — richtig, ich meine, wenn ich es gestohlen hätte, so hätte ich das Bild getötet — vernichtet, meine ich, erstochen hätte ich es oder verbrannt. Ja!“

All das sog ich mir im Handumdrehen aus den Fingern und das versteinerte Erstaunen der Damen — ich sah, daß beiden der Mund aufstand und sie dabei sehr häßlich aussahen — kam mir dabei vortrefflich zustatten. Es wäre ein leichtes gewesen, sie noch mehr in Erstaunen zu setzen. Einen Augenblick kam mir sogar der Gedanke ihnen zu sagen, daß ich der Dieb wäre. Aber das hätte mir vielleicht den Spaß verdorben.

Ich brach plötzlich ab und wendete mich zu Fräulein Holm, die etwas verlegen lächelte: „Glauben Sie, daß der Dieb Paris verlassen hat?“

„Wieso?“ Ihr hilfloses Lächeln wiederholte sich.

„Sehen Sie, das ist ganz ausgeschlossen. Wie gesagt, wenn ich das Bild gestohlen hätte, — ich meine nur so —, so würde ich doch Paris nicht verlassen! Sagen Sie selbst, wo ist man besser aufgehoben als in Paris? Ach, glauben Sie mir, der Dieb hat Paris nicht verlassen. Wegen des schönen Wetters und weil Sie so ein erstauntes Gesicht machen — Fräulein Holm machte rasch mit der Hand eine Bewegung über ihr Gesicht hin — möchte ich geradezu eine Wette darauf eingehen. Wollen Sie?“

„Ich wette dagegen,“ sagte Fräulein Holm mit einem Blick nach Frau Rosenborg und streckte die Hand aus.

„Nun, und was behaupten Sie? Daß er Paris verlassen hat?“

„Ja — und —“

„Und daß er auf ein Schiff geflüchtet ist?“