Gräfin Adele hatte ihr Kind mit einem wildleidenschaftlichen Jauchzen an sich gedrückt. Nun stand sie, bleich vor Entsetzen, neben dem Retter, dem die beiden fürstlichen Waldhüter den Notverband anlegten. Holzarbeiter, die in der Nähe beschäftigt waren, kamen hinzu. Die Leiter eines noch unbeladenen Wagens wurde mit Hilfe einiger Säcke und rasch aus der Erde gestochener Moosballen zur Tragbahre umgewandelt.
»Herr von Somsdorff, wie fühlen Sie sich?« raunte Adele, als sich der traurige Zug in Bewegung gesetzt hatte.
Er sah matt lächelnd zu ihr empor, ohne etwas zu erwidern.
»O Gott, o Gott!« schluchzte die Gräfin. »Wie soll ich Ihnen das jemals vergelten? Josefa, küsse dem guten, herrlichen Mann da die Hand! Bete für ihn! Er ist dein Schutzgeist gewesen. Er hat sich für dich und deine Mama geopfert!«
»Wenn Euer Gnaden die Freundlichkeit hätten, jede Aufregung zu vermeiden,« sagte der ältere von den Waldhütern, der nämliche, der den erlösenden Schuß gethan. »Ich meine nur so: das thut nicht gut bei dem Blutverlust …«
»Ich danke Ihnen! Gewiß, wir sprechen kein Wort mehr! Komm, Josefa! Halte dich still! So! Herr von Somsdorff muß Ruhe haben.«
Und lautlos schritten die vier Männer mit ihrer seufzenden Last durch den Park, an dem nämlichen Teich und der nämlichen Balustrade vorüber, wo noch vor kurzem die Gräfin so harmlos mit ihrem Kinde geplaudert hatte, die Treppe hinauf nach dem großen Verandasalon, während der Kutscher, den man bereits durch den Gärtner benachrichtigt hatte, den leichten Phaethon, Gräfin Adelens Lieblingswagen, mit zwei Vollblutfüchsen bespannte, um drüben in Hoyersbrück den Landarzt zu holen.
Zweites Kapitel.
Doktor Michalsky, ein stattlicher Mann in den Vierzigern, trat aus dem Krankenzimmer und begab sich schräg über den Korridor in das kleine Gemach, wo Gräfin Adele, ihr Kind fest an sich gepreßt, voll bangender Ungeduld auf ihn wartete.