Man klopfte. Karl trug die Lampe herein und setzte sie auf den Ebenholztisch neben dem Diwan. So fiel nur ein handbreiter Lichtstreifen durch die Portiere, der für die längst feiernde Frida ausreichte, den Verwundeten zu beobachten.
Nun rollte der Wagen vor. Adele erhob sich, um ihrem Gemahl und dem Landarzt entgegenzugehen.
»Schöne Geschichten!« sagte der Graf, noch eh' er den Gruß Adeles erwidert hatte. »Das ist ja mehr als infam! Ich werde beim Fürsten Verwahrung einlegen! Solch eine Lotterwirtschaft! Aber ein ganzer Kerl ist der Somsdorff, das muß ihm der Neid lassen. Gehn Sie nur, Doktor! Hoffentlich macht sich die Sache! Es wäre doch zu fatal, wenn er bis Ende Mai nicht wieder flott wäre. Sie wissen, unser Kongreß in Bonn …«
»Daran wird leider wohl nicht zu denken sein,« brummte Michalsky.
»Verwünscht! So muß ich allein fahren! Und Somsdorff – nein, es ist wirklich wie ausgesucht!«
Der Arzt stieg die Treppe hinauf, während die Gräfin ihren Gemahl in den kleinen Salon begleitete, wo er sich keuchend in einen Sessel warf.
»Ein Unglückstag!« stöhnte er, mit dem Taschentuch über die Stirn fahrend. »Erst das Malheur in Zeschau – der größte und beste Teil der Sammlung verkauft – nach England – noch eh' die Auktion beginnt … ich glaube, man braucht sich die augenscheinliche Schwindelei nicht gefallen zu lassen … Dann auf der Rücktour ein Achsenbruch – zwanzig Minuten Verspätung – und nun die Bescherung da mit dem Somsdorff! … Es fehlte jetzt nur, daß dich der Schreck wieder acht Tage rabiat machte, wie damals bei der Erkrankung deiner Mama. Weiß Gott, du siehst aus … fehlt dir etwas? Sprich nur! Ich mach' dir ja keinen Vorwurf!«
»Ich bin etwas angegriffen: aber das geht schon vorüber.«
»Gott sei Dank! An dem einen Patienten hab' ich ja mehr als genug. Nichts regt mich so auf und stört mich so im Verfolg meiner Studien, als der Gedanke: dein Haus ist ein Lazarett. Und für die nächste Zeit hab' ich enorm zu thun. Auf dem Kongreß in Bonn – ich weiß nicht, ob Somsdorff dir schon gesagt hat – na, du interessierst dich zwar nicht dafür …«