»Doktor Michalsky bleibt doch zu Tisch?«
»Ich hab' ihm gesagt, er solle nur gleich übernachten. Morgen in aller Frühe versorgt er dann unsern Patienten und was er hier sonst in der Nähe hat … So spart er zwei Touren. Er war damit einverstanden.«
»Gut. So will ich das Nötige anordnen.«
»Thu' das! Und nicht wahr, sobald die Geschichte da droben in Ordnung ist … Du verstehst mich? Kein langes Erörtern mehr mit dem Doktor! Ich habe seit zwei nichts genossen, außer dem elenden Kaffee im Görlitzer Hof. Ich verkomme vor Hunger!«
Drittes Kapitel.
Am fünften Juni reiste Graf Gerold nach Bonn, trostlos darüber, daß Leo von Somsdorff ihn nicht begleiten konnte. Die Ausarbeitung des Vortrags hatte den Grafen derart in Anspruch genommen, daß er sogar die abendlichen Spazierritte ins Gehölz unterließ und sich kaum Zeit gönnte, ein paar Worte mit Doktor Michalsky zu reden oder gelegentlich bei dem Patienten selbst Nachfrage zu halten.
Um so treuer und eifriger lag die Gräfin der Pflege ob. Drei Tage lang schwebte der Kranke in Lebensgefahr. Dann schritt die Genesung langsam, aber mit Stetigkeit vorwärts. Just um die nämliche Zeit, da Gerold – wie er an Somsdorff telegraphierte – in Bonn mit Leipold und Beaulieu-Sarcenet eine hochwichtige Privatkonferenz hatte, die ihn bestimmte, den Vortrag über altgriechische Fest- und Gedenkmünzen bis auf weiteres zurückzuziehen (Leipold nämlich hatte das Manuskript durchgesehen und mehrere Lücken entdeckt, die seiner Meinung zufolge erst ausgefüllt werden mußten, wenn die sonst außerordentlich wirksame Arbeit auf der Höhe der Wissenschaft stehn und bei den leider impertinent kritischen Fachleuten widerspruchslos durchschlagen sollte) – just um die nämliche Zeit also gab der Arzt die Erlaubnis, Herrn von Somsdorff nach der Veranda zu schaffen.
Das war kein leichtes Stück Arbeit. Vier Personen mußten zugleich anfassen, um die Chaiselongue, auf die man den Dulder gebettet hatte, wagerecht und möglichst ohne Erschütterung die Treppe hinab ins Parterre zu tragen.