»Bitte,« lächelte Somsdorff. »Der Inhalt geht ja eigentlich mehr die Frau Gräfin als mich an.«

»Zum Teil … gewiß. Ich habe auch alles Erforderliche schon angeordnet.«

»Wie immer! Die Liebe, Güte und Fürsorge in Person!«

»Mein Gott,« lachte die Gräfin, »scheint Ihnen das in der That so gütig und fürsorglich, wenn ich dem Kutscher eine Bestellung ausrichte und für den Abend ein Gericht mehr ansetze?«

»Das nicht,« stammelte Somsdorff, die Augen schließend. »Ich weiß nicht, es fiel mir so bei … Wes das Herz voll ist … mir schwebt eben stündlich vor, was Sie an mir thun …«

Die Gräfin errötete.

»Sie wollen mich böse machen oder beschämen,« sagte sie ernsthaft. »Wären Sie mir ein wildfremder, unsympathischer Mensch, ich hätte das gleiche an Ihnen gethan; wenn es denn überhaupt der Rede wert ist. So aber … ein Freund meines Mannes …«

»Nicht Ihr Freund?«

»Auch das … natürlich. Aber ich meine, zunächst … Bitte, lassen wir doch dies Thema, das mich peinvoll daran erinnert, wie sehr ich in Ihrer Schuld bin!«

»Nicht so sehr, als Sie glauben. Was ich that, war völlig naturgemäß – die Eingebung der Minute! Tausend andere hätten dasselbe gethan. Und ferner: im entscheidenden Augenblick dachte ich nur an die Sache. Ich wäre genau so dazwischen gesprungen, wenn es sich um das Kind einer Unbekannten, meinetwegen der ersten besten Landstreicherin, gehandelt hätte. Ich sage das nur, um der Wahrheit die Ehre zu geben; ich will nicht besser, nicht opferwilliger scheinen, als ich es bin! Ach, und ich dächte, Frau Gräfin, Sie wüßten das ohnedies! Nur der blanke Instinkt macht uns Männer gegebenen Falls zum Beschirmer der Schwäche. Die scheinbar mutige That folgt da unmittelbar auf die Wahrnehmung, wie dem Blitze der Donner folgt, ohne daß Pflicht und Moral irgend ins Spiel kämen. Sie aber, teure Freundin, haben mich wochenlang mit der beglückenden Atmosphäre Ihrer Geduld, Ihrer Wachsamkeit, Ihrer Milde umgeben, ohne je zu ermüden, ohne sich je zu sagen: ›Der Mensch da konnte doch eben so gut im Spital genesen!‹«