»Herr von Somsdorff …«

»Sie haben sich die entzückenden Frühlingstage zur Pein gemacht,« fuhr er mit großer Lebhaftigkeit fort, ohne sich durch die Gebärde der Abwehr beirren zu lassen. »Sie haben ausgeharrt wie ein Engel.«

»Ich verbiete Ihnen, kraft meines Amtes als Pflegerin, diesen elegischen Ton mit aller Entschiedenheit,« sagte sie scherzhaft. »Da,« (sie zog ein wenig den Vorhang zurück) »schau'n Sie hinaus ins Grüne! Jetzt blendet's nicht mehr, und ein leiser Wind hat sich aufgemacht! Nicht wahr, das erquickt? So, und nun warten Sie! Wenn Sie vernünftig sind, gibt es auch heut eine Extrabelohnung, wie gestern!«

Sie trat in den kleinen Salon und kam mit einer goldgrauen Schale zurück, auf der eine türkische Cigarette und eine Silberbüchse mit Streichhölzern lag.

Er sah zu ihr auf, wie ein Beter zum Heiligenbild. Ein Leuchten ging über sein Antlitz, so heiß und scheu, daß Gräfin Adele sich mit augenfälligem Eifer der silbernen Büchse zuwandte, hastig ein Zündholz herausnahm und es für Leo in Brand setzte.

Nun stiegen die bläulichen Tabakswolken sacht kräuselnd empor und zerflatterten zwischen den Säulen wie heimliche Wünsche, die sich ins Licht des Tages nicht hinauswagen dürfen.

Adele war seltsam bedrückt. Dieser Moment hatte ihr klar gemacht, was sich im Lauf der letzten drei Wochen unbemerkt, aber stetig wachsend, in ihrer Seele entwickelt hatte.

Sie setzte sich abseits und stickte, während Leo von Somsdorff ruhig und wie in tiefe Gedanken verloren, weiterrauchte.