Die heitere, fast übermütige Stimmung, die man von der Partie mit nach Haus brachte, setzte sich während des anderthalbstündigen Schwelgens im Speisegemach fort.
Somsdorff nahm heute zum erstenmal an dem Souper teil und mühte sich, es den übrigen an Vergnügtheit und Frische des Tones gleichzuthun, was von dem Grafen und ganz besonders von dem Major mit höchster Genugthuung konstatiert wurde.
»Der Appetit kommt beim Essen,« sagte der Graf. »Das gilt auch von der Geselligkeit. ›Wer sich der Einsamkeit ergibt, ach, der ist bald allein‹ – heißt es bei Goethe. Im Kreise fröhlicher Kameraden dagegen erwacht vom Schlummer, was Nervosität und Krankheit in uns erstarren ließ: der Urquell der Fidelität, und nun erst – nicht wahr, lieber Major? – genest man ex fundamento! Na, kommen Sie her, Somsdorff! Dieser hochduftige Edelwein aus der Bourgogne heilt alle Gebresten! Ihr Wohl!«
Somsdorff stieß mit ihm an; der alte Major und Gräfin Adele folgten dem Beispiel des Grafen; Gertrud Mettenius und Friedrich von Steinitz waren zu sehr ineinander vertieft, als daß man sie hätte stören dürfen.
Somsdorff leerte den großen geschliffenen Kelch auf einen Zug und litt es lächelnd, daß der Major ihm sofort wieder einschenkte. Graf Authenried erzählte bei diesem Anlaß ein komisches Intermezzo vom Bonner Kongreß – das erste Mal seit der Ankunft der beiden Barone, daß er das Thema der Numismatik streifte – und nun hielt es auch Gertrud für zweckmäßig, ihren eifrigen Kavalier nicht durch ferneres Lauschen auf sein bewegtes Geplauder zu verwöhnen. Sie mischte sich, eine launige Frage an den Major richtend, flott in die Hauptkonversation, so daß sich in kurzer Frist ein reizvolles Chaos ergab, das in den Nebenräumen den Eindruck erzeugte, als tafele hier eine Gesellschaft von zehn bis zwölf Personen.
Nur Gräfin Adele nahm wenig teil am Gespräch. Inhaltsvolle Gedanken schienen sie stark zu beschäftigen, was sie indes durch häufige Weisungen an den Bedienten und sonstige Aufmerksamkeiten fürs Wohl ihrer Gäste sattsam bemäntelte. Somsdorff allein ahnte, was in ihr vorging.
Nach Tisch begab man sich in den größern der beiden Verandasalons.
»Adele, nun singst du etwas!« bat Graf Gerold mit einer artigen Kopfneigung.
»O, ich kann nichts!« wehrte die Gräfin.