Gertrud Mettenius trat an das Notengestell.
»Hier sind ja Lieder zu Hunderten … deutsche, französische, italienische … Liebes Adelchen, ich glaube du zierst dich! Im Pensionat sagte doch schon der Kantor, du solltest dich ausbilden lassen! Aber was red' ich noch? Heut erst, unter den Nehrauer Birken hat dein Gemahl uns erzählt, daß du zum Besten des Frauenvereins öffentlich das famose ›Vorrei morir‹ geschmettert …«
»Oeffentlich?«
»Nun ja, – vor einem geladenen Publikum, aber doch so zu sagen …«
»Mein Gott, wenn ihr absolut wollt,« sprach die Gräfin und trat an den Flügel. »Aber ich bin so ganz aus der Uebung.«
»Wie kommt das?« frug der Major.
»Gerold ist kein Freund von Musik; sie stört ihn bei seinen Studien. Ueberhaupt … ich weiß selbst nicht …«
Sie strich mit der Hand über die Stirne und fuhr dann in etwas verändertem Tone fort:
»Was soll ich denn singen?«
»Nun, eben dies ›Vorrei morir‹, wenn uns die Bitte gestattet ist,« sagte der junge Baron mit einem schwärmerisch leuchtenden Blick auf Gertrud Mettenius.