Da rauschte etwas über die Fliesen. Gräfin Adele, in der Linken den Fächer, trat bis zum Rande der Freitreppe, schien ein paar Augenblicke zu zögern und wandelte dann, sich Kühlung wehend, die Stufen hinab.
Drinnen ertönte ein lautes Bravo des Herrn Majors, ein kurzes Stimmengemurmel, und gleich danach, mit neckischer Virtuosität vorgetragen, der Karneval von Venedig.
Somsdorff, unweit des Langsofas an die Säule gelehnt, stand noch unschlüssig, ob er der Gräfin folgen sollte, als sie schon wieder zurückkam.
Nun erst bemerkte sie ihn. Sie stutzte, machte eine Bewegung, als wolle sie rasch über die Schwelle, und schritt dann geradeswegs auf ihn zu.
»Es nimmt mir die Ruhe,« sagte sie halblaut. »Besser, ich frage Sie gleich, als daß ich's noch über Nacht mit mir herumschleppe.«
Sie stand jetzt vor ihm.
»Frau Gräfin …« stammelte Somsdorff.
Der Mond schien ihr voll ins Gesicht. Er sah, daß ihre Augen sich feuchteten.
»Offen heraus,« fuhr sie fort, »ich schäme mich! Bleischwer liegt es mir auf der Brust, kaum zu ertragen! Ich schäme mich, daß Sie so Unerhörtes gesprochen – und mehr, daß ich noch eine Silbe der Höflichkeit für Sie fand, nachdem Sie's gewagt hatten … Herr von Somsdorff! Ich wünsche zu wissen, bei Ihrer Ehre: hab' ich etwas gethan oder geduldet, was Sie zu dieser Kränkung berechtigte?«
Sie schaute ihn fest an, fast drohend. Ihr Mund zuckte; von ihren Wimpern lösten sich zwei rollende Thränen.