Er suchte nach Worten. Einer plötzlichen Eingebung folgend, sagte er kurz und rasch, ohne auf die gestellte Frage zu antworten:
»Adele, Sie lieben mich!«
»O Gott!« stöhnte sie, mit der Hand nach der Brüstung fassend.
»Sie lieben mich,« sagte er ruhig. »Wenn Sie den Mut haben, eine Lüge zu sprechen, so sagen Sie Nein!«
»Ich darf Sie nicht lieben! Nein, ich liebe Sie nicht!«
Somsdorff machte eine Gebärde nach dem Salon hin.
»Etwa um dieses Gemahls willen?«
»Allmächtiger Himmel!« raunte sie angstvoll. »Sie wissen nicht mehr, was Sie reden! Sie häufen Beleidigung auf Beleidigung! Ich verzeihe Ihnen als dem Erretter meines geliebten Kindes; aber Sie können nicht länger bei uns zu Gast sein! Wenn Sie nicht wollen, daß ich verzweifle, so reisen Sie schleunigst ab! Schleunigst! Ich würde sagen: heut' abend, in dieser Minute … Aber das geht nicht! Morgen jedoch … Im Laufe des Vormittags kommt Doktor Michalsky. Irgend was Glaubhaftes wird sich schon finden lassen. Er muß Sie beurlauben …«
»Ich abreisen?« flüsterte Somsdorff. »Das wäre mein Tod!«
»Sie müssen,« sprach sie, die Hände faltend. »Ach, versteh'n Sie nicht falsch! Es soll keine Strafe sein … Ich bin sogar überzeugt, Sie haben im Grund Ihres Herzens Respekt vor mir – aber ich sehe doch, wie Sie ganz und gar außer stande sind, sich zu beherrschen! Und – weshalb soll ich es leugnen? – Ihre Haltlosigkeit raubt mir die Ruhe …«