»Sie lieben mich also!« war das Einzige, was sie zur Antwort bekam.
Frei erhob sie das Antlitz wie jemand, der sich entschlossen hat, einer Gefahr trotzig und kampfbereit in das Auge zu sehen.
»Ja!« versetzte sie kurz. »Für meine Empfindungen kann ich nichts; wohl aber für meine Handlungen. Jetzt, da's heraus ist, kommt es mir vor, als hätt' ich mir eine Last von der Seele gewälzt! Sie wissen's nun, – und deshalb müssen Sie fort!«
»Adele! Wie ist es möglich …«
»Was?«
»Solch ein Geständnis zu machen und gleichzeitig das Verbannungsurteil zu sprechen?«
»Das ist möglich, weil ich fest an die Ehrenhaftigkeit Ihrer Gesinnung glaube! Ich halte die Liebe für etwas Heiliges. Wer liebt – und Sie behaupten doch, daß Sie mich lieben – der kann den Gegenstand seiner Liebe unmöglich erniedrigen wollen. Dies würde aber geschehen, wenn … Sie mich ferner mit so abscheulichen Blicken verfolgten, wie vorhin, als ich zum Flügel schritt. Diese Blicke verletzen mich; sie machen mich unglücklich! Wenn Sie denn kein Verständnis haben für die Pflichten der Gattin, so erwägen Sie, daß ich ein süßes, holdes, schuldloses Kind besitze!«
Somsdorff erschauerte. So herrlich und lockend war ihm die edle Gestalt und das bezaubernde Antlitz mit dem blühenden Mund, der im fließenden Mondlicht wie verträumt auf ihn einsprach, noch niemals erschienen. Er hatte das bange Gefühl, als müsse er im nächsten Moment vor unsagbarer Liebessehnsucht verrückt werden.
Aber just der Ueberschwang seiner Leidenschaft lieh ihm die Fähigkeit, sich äußerlich zu bezwingen. Wenn er die Hoffnung nicht aufgeben wollte, mußte er dieser Frau gegenüber eine Komödie spielen, deren Entwurf ihm blitzartig durchs Gehirn schoß.