»Bei uns daheim geht die Rede: wenn ein Kranz nach dem Begräbnis eintrifft, so bedeutet das noch einen Todesfall in derselben Familie und im nämlichen Jahr!«
»Thorheit!«
»Ja, man weiß nicht … mir ist so bange ums Herz. Auch Karl meint, der Doktor Michalsky mache ein sonderbares Gesicht …«
»Sei'n Sie nicht abergläubisch! Ein sonst so verständiges Mädchen! Thun Sie nur Ihre Schuldigkeit; dann wird alles schon gut werden. Was ich noch sagen wollte … bitte, warten Sie einen Moment! Ich bin gleich wieder hier!«
Er ging in den Park, schnitt eine Handvoll köstlicher Marschall-Niel-Rosen, band sie mit einigen Epheuranken zusammen und gab sie dem Mädchen, das bereits anfing, mit staunender Ungeduld nach ihm auszuschauen.
»So, Frida! Die Blumen hier legen Sie mit auf das Grab, – nicht zu dem kunstvollen Kranz da, sondern ein bißchen abseits … Können Sie beten, Frida?«
»Aber ich bitte Sie, gnädiger Herr! Man ist doch christlicher Leute Kind! Ich noch dazu, als die Tochter eines lutherischen Küsters!«
»Ja, ja, ich zweifle ja nicht! Wenn Sie die Rosen dann hingelegt haben und irgend ein Sprüchlein murmeln, so thun Sie's in meinem Namen! Ich bin leider nicht fromm; aber dem Kinde möcht' ich ein freundliches Wort nachrufen …«
»Gott, ja!« schluchzte das Mädchen gerührt. »Sie war so herzig und süß, die kleine Komteß! Die rechte Hand gäb' ich darum, könnt' ich den armen Engel wieder lebendig machen!«
Somsdorff wandte sich ab. Er hörte den Grafen, der sich bei Karl eifrig nach ihm erkundigte.