»Ich fluche dem Irrwahn, der mich dies träumen ließ! Heute, am Weihnachtsabend, bin ich allein! Er überantwortet mich in schurkischer Kaltherzigkeit meiner Verzweiflung! Er hat mich elend gemacht! Ich verabscheue ihn!«
Sie fügte die Jahreszahl bei. Die zollgroßen Ziffern waren verrenkt und zersplittert wie die Schrift einer Wahnsinnigen.
Hiernach sank sie erschöpft in den Stuhl zurück und ließ die Feder achtlos auf den kostbaren Teppich fallen.
In diesem Moment ward heftig die Klingel gerissen. Die Bronzeuhr über dem Schreibtisch zeigte halb sechs. Wirre Stimmen ertönten im Korridor, eigentümlich gedämpft und angstvoll.
Gleich danach kreischte es gell auf.
Das war Frida, die Zofe.
»Der gnädige Herr! Der gnädige Herr!« ächzte das Mädchen. »Allgütiger Gott, meine Ahnung! Der Kranz, der unselige Kranz!«
Und dann brummten und flüsterten wieder die fremden Stimmen, bis zuletzt über dem unverständlichen Chaos die bebenden Worte Somsdorffs vernehmbar wurden:
»Laßt nur, ich gehe selbst!«