»Wohnt ihr jetzt hier?«

»Für ein paar Tage. Mein Mann hat geschäftliche Konferenzen. Er behauptet das wenigstens, und so muß ich's wohl glauben.«

»Du scheinst nicht glücklich zu sein,« fuhr Adele heraus.

»Pah! Wer ist glücklich in dieser Welt?«

»Ich!« wollte die Gräfin sagen, dankerfüllt gegen die Vorsehung, die ihr nach so unsäglichem Leid Ruhe und Rettung gewährt hatte. Sie unterdrückte jedoch diesen warmquellenden Ausbruch. Es kam ihr herausfordernd und nicht eben zartfühlend vor, so mit der Gnade des Himmels Staat zu machen. Auch hätte sie ihre verblüffende Antwort erläutern müssen, und dazu verspürte sie keine Lust.

»Hast du denn wirklich so große Eile?« fragte sie nach einer Pause, als Gertrud ihr kühl zwei Finger entgegenstreckte, um Abschied zu nehmen.

»Weshalb?«

»Nun, ich wollte dich … Du erklärtest vorhin, es sei lediglich meine Schuld, wenn wir einander so fremd geworden! Ich bin zwar heute und für die nächsten Tage so schwer in Anspruch genommen, daß ich dir nicht einmal sagen darf: ›Komm und besuche mich‹. Aber ein ganz klein wenig möchte ich diese Schuld doch gut machen. Weißt du was? Ich unterlasse hier meine Einkäufe und was ich sonst an Besorgungen vorhatte, und hole nur drüben etwas im Blumengeschäft. Dann fahren wir nach dem Volksgarten. Du erzählst mir, wie's dir gegangen ist, sagst mir, daß du mir wieder gut bist, und ich bring' dich in dein Hotel!«

Gertrud zögerte einen Moment. Dann sagte sie achselzuckend: