»Na, schön! Ich steige einstweilen hier ein und dirigiere den Kutscher …«

Nach fünf Minuten trat Gräfin Adele aus der spiegelnden Glasthür des Blumengeschäfte und nahm an der Seite Gertruds Platz. Eine Verkäuferin, die ihr gefolgt war, trug einen großen Korb mit wundervollen Azaleen, den der Bediente vorsichtig auf die Polster stellte.

»Habt ihr Geburtstag heute?« frug Gertrud, während der Wagen dahinsauste.

Sie dachte an den Geburtstag des Grafen. Bei ihrem ewigen Hin- und Herreisen hatte sie nicht einmal Kunde von seinem Tode erhalten. Vielleicht wußte ihr Mann davon. Aber der hatte so massenhafte Bekannte, daß es auf einen mehr oder minder nicht ankam. Zudem sprachen die beiden Ehegatten seit ihrer Heimkehr nach Deutschland nur das Notwendigste. Die Trauerkleidung der Gräfin setzte Gertrud von Steinitz ausschließlich auf Rechnung des Kindes.

»Nein,« sagte die Gräfin ausweichend. »Aber nun laß uns von dir sprechen! Wie lebst du? Wie findet ihr euch zurecht?«

»Gar nicht!« versetzte Gertrud. »Die Antwort bezieht sich auf beide Fragen, auf das Leben wie aufs Zurechtfinden. Ich vegetiere nur noch! Die lustige Gertrud von ehedem ist so müde geworden, so halt- und kraftlos … Im übrigen …«

Die Thränen traten ihr in die Augen.

»Armes Kind!« seufzte Adele und nahm die Hand Gertruds. »Wie lange seid ihr verheiratet?«

»Noch kein Jahr. Aber du weißt ja selbst: diese Männer brauchen höchstens drei Monate, um sich als das zu entpuppen, was sie in Wirklichkeit sind: als elende, herzlose Egoisten.«

»Sprich leiser!« mahnte die Gräfin mit einem Blicke auf Karl, der augenscheinlich herunterhorchte.