»Meinetwegen darf es die ganze Welt hören,« flüsterte Gertrud. »Wirst du mir glauben, daß Friedrich schon auf der Hochzeitsreise mich schmählich betrogen hat?«
»Kind, du bist eifersüchtig! Die Eifersucht aber hat schlechte Augen!«
Gertrud wiegte den Kopf.
»Die Sache ekelt mich an; ich erspare mir also die Einzelheiten. Du würdest sonst rasch begreifen, daß hier die Möglichkeit eines Irrtums ausgeschlossen erscheint. Dabei ist der Mensch ein Tyrann, ein Tyrann – ich verstehe mich manchmal selbst nicht! Mein einziger Trost beruht darin, daß ich mir sage: die andern sind gerade so! Da gibt's keine Ausnahme! Ich danke noch Gott, daß er nicht Urkunden fälscht und keinen Giftmord begeht!«
»Gertrud!«
»Liebste Adele, ich sehe die Welt so, wie sie ist! Du freilich in deinem rosenroten Idealismus, du glaubst noch an alles, an Tugend, an Liebe, an Freundschaft, obgleich dein Leben doch auch nicht arm an Erfahrungen ist!«
»Ja, Gertrud! Ich glaube, daß in der Seele der meisten Menschen der Keim des Guten und Edlen schläft, und daß es oft nur die Schuld der verständnislosen Umgebung ist, wenn dieser Keim nicht geweckt wird.«
»Das sind so Redensarten. Früher hab' ich mir's auch eingebildet … Genug davon! Der Aerger macht mich noch krank! Wenn ich nur erst mal über dies Stadium hinaus wäre und anfinge, die ganze Geschichte mehr auf die leichte Achsel zu nehmen! Dann hätt' ich gewonnenes Spiel!«
»Wie so?«
»Nun, ich fände dann Mut und Stimmung, ihm heimzuzahlen! Weißt du, ich gehöre von Temperament nicht zu den frommen Dulderinnen, die lautlos dahinschmachten, während ihr Peiniger schandbare Orgien feiert! Ich bin nur eingeschüchtert, auch körperlich etwas heruntergekommen – und leider Gottes noch immer etwas verliebt … Er hat eine Art, die mich kettet, trotz alledem! Das muß ich erst mit Gewalt ausmerzen. Dann aber – wenn mir dann einmal so ein Freund kommt, wie dir damals der Leo von Somsdorff, dann werd' ich den Teufel thun und ihm ausweichen!«