»Wie meinst du das?« fragte die Gräfin errötend.

»Ach, thu' nur nicht so!«

»Herr von Somsdorff war in der That mein Freund. Wenn du meinst …«

»Ich vermute nur, was ich weiß. Uebrigens sprach ich mehrmals mit Friedrich darüber – kurz nach unsrer Verheiratung. Damals tauschten wir unsre Gedanken noch aus. Nun, und Friedrich, wenn ich auch sonst kein gutes Haar an ihm lasse, in Liebesgeschichten kennt er sich aus, und sein Scharfblick im Wittern unerlaubter Verhältnisse ist geradezu großartig. Um Gottes willen, versteh' nicht falsch! Er hat nicht im Traume daran gedacht, dir etwas nachzusagen! Im Gegenteil, es war ja auf hundert Schritte zu merken, daß du den Somsdorff abfahren ließest! Ein glücklicher Liebhaber – der gebärdet sich anders! Daß er aber in dich vernarrt war bis zur Tollwut, und daß du von diesem Zustand genau unterrichtet warst – um das zu erkennen, brauchte man nur die Augen zu öffnen.«

»Wär's möglich …?«

»Es ist so, liebste Adele! Du fingst es nicht gerade sonderlich schlau an, muß ich dir sagen! Man merkte sogar, wie Friedrich behauptet, daß du stark mit dir kämpftest! In höchst auffälliger Weise nahmst du die Zuflucht zu deinem Kinde …«

Die Gräfin zuckte.

»Ach, vergib, daß ich hier eine Wunde berühre, die noch zu bluten scheint,« raunte Gertrud erregt. »Aber da's mir denn doch einmal beifällt, weshalb soll ich nicht frei von der Leber sprechen? Das Kind war dir damals eine Art Talisman, der dein Herz vor Verirrungen schützte. Vielleicht auch war es die pure Einbildung, wenn du meintest, solchen Talisman nötig zu haben. Offen gestanden, ich selbst hatte nicht sonderlich acht darauf. Friedrich aber, und noch mehr sein Papa … ach, das sind geriebene Patrone! Erst später hab' ich mir's dann aus ihren Reden zusammengeklaubt. Der Somsdorff merkte, daß ihm das Kind bei der Verfolgung seiner Don-Juanprojekte im Weg war, und so erklärt sich's … Pfui, pfui, was sind doch die Männer für nichtswürdige, erbärmliche Kerle!«

»Gertrud! Ich sagte dir, Herr von Somsdorff sei mir ein Freund gewesen, ein lieber, teurer Freund …«