»Daß du ihr Mörder wurdest!« unterbrach ihn Adele, rasend vor Schmerz. »Daß du in kaltem Triumphe mit zusahst, wie sie den Tod fand!«

»Wer sagt das?«

»Elende Frage! Reut dich schon dein Geständnis? Freilich, die Wirkung, die du erwartet hast, bleibt nun aus! Deine Offenheit war zu wohlfeil. Du meintest die Anklage Gertruds auf gute Manier abzuschwächen, da du nicht leugnen konntest!«

Erschöpft sank sie zurück. Die zuckenden Lippen waren geöffnet, die Wangen wie eingefallen. Müde Verzweiflung umspann ihre ganze Gestalt.

»Ich verstehe dich jetzt!« murmelte Somsdorff.

Nach einer langen Pause hob er dann wiederum an:

»Gertrud irrt! Siehst du, Adele, kein Wort der Aufklärung würde mir über die Lippen kommen, wenn sich mein Herz nicht doch einer Schuld bewußt wäre, die mir so manchmal die Röte der Scham ins Gesicht getrieben! So aber nehm' ich den Wahnwitz, den du da vorbringst, wie eine Strafe!«

Kurz und wahrheitsgetreu erzählte er nun, was in ihm vorgegangen, bis zu dem Augenblick, da er, fast nicht mehr zurechnungsfähig, die Worte geraunt: »Hätt' ich's geahnt, hätt' ich's geahnt!« Er schonte sich nicht. Rücksichtslos mit der Frankheit des Büßers räumte er ein, daß er die mutige That im Gehölz wirklich bereut hatte; ja, daß er, vom Taumel seines Verlangens betäubt, Ingrimm und Haß empfunden …

Dann aber fuhr er mit sehr veränderter Stimme fort:

»So, nun hab' ich gebeichtet! Alles übrige muß ich zurückweisen, klar und energisch und ohne Verklausulierung. Ich wiederhole dir: Gertrud irrt, – oder sie lügt!«