»Wollen Sä einmal etwas nähmen, Möricke«, fuhr die Stimme des pflichtvergessenen Schülers fort … »Was, Sä send onwohl? Gott, wenn mer jonge Leute in Ährem Alter sagen, sä send onwohl, so macht das einen sähr öblen Eindruck. Knäbel, schreiben Sä einmal äns Tagebooch: ›Möricke, zom Öbersätzen aufgefordert, war onwohl …‹«

Jetzt vermochte der Direktor seine Entrüstung nicht länger zu bemeistern.

Mit einem energischen Ruck öffnete er die Tür, und trat unter die erschrockenen Zöglinge, wie der Leu unter die Gazellenherde.

Er hatte sich nicht getäuscht.

Es war in der Tat Wilhelm Rumpf, der größte Taugenichts der Klasse, der sich so frevelhaft an der Majestät vergangen hatte. Erst seit vier Wochen zählte dieser Mensch zu Samuel Heinzerlings Schülern, und schon gebührte ihm vor allen Bengeln, vom Primus bis zum Ultimus, die Krone! Mit hochgezogenen Vatermördern, auf der Nase eine große, papierene Brille, in der Linken ein Buch, in der Rechten das traditionelle Bleistiftchen haltend, – so stand er auf dem Katheder und wollte eben eine neue Gotteslästerung ausstoßen, als der tiefbeleidigte Direktor auf der Schwelle erschien.

»Rompf!« sagte Samuel mit Fassung, – »Rompf! Sä gähen mer zwei Tage än den Karzer. Knäbel, schreiben Sä einmal äns Tagebooch: ›Rompf, wegen kändischen, onwördigen Benähmens mät zwei Tagen Karzer bestraft.‹ – Heppenheimer, rofen Sä den Pedellen!«

»Aber Herr Direktor …!« stammelte Rumpf, indem er die Papierbrille in die Tasche steckte und auf seinen Platz zuschritt.

»Keine Wäderrede!«

»Aber ich wollte ja nur … ich dachte …«