»Zor Vervollständägong des Bäldes, das äch än der vorägen Stonde vor Ähren Bläcken entrollt habe, wäll äch Ähnen heute einige charakterästäsche Stellen aus meinem Paräser Tagebooch vorlesen, das äch vor nonmehr säbzehn Jahren während eines fönfwöchentlächen Aufenthaltes än der französäschen Hauptstadt verfaßt habe. Däse ansprochslosen Notäzen werden Ähnen besser, als eine theoretäsche Schälderung däs vermöchte, dä Wahrheit meiner neuläch erörterten Behauptong klar machen: daß nämläch ein Monäzäpiom von allzo beträchtlächer Ausdehnong dä Exästenz des Ändävädooms än jeder Hänsicht erschwert. Äch wäderhole Ähnen: Dezentraläsation moß dä Parole jedes vernonftgemäß organäsärten Staatswesens sein. Däse sogenannten Weltstädte sänd aus keinem Gesächtsponkt zo rechtfertägen!«

»Aber, Herr Direktor,« begann Wilhelm Rumpf, als Samuel innehielt, »das alte Rom zur Zeit des Augustus war doch auch eine Weltstadt.«

»Sätzen Sä säch«, erwiderte Heinzerling mißmütig. »Das alte Rom war der Mättelponkt der damals bekannten Erde, hatte also logäscherweise das Anrecht auf eine gewässe räumläche Ausdehnong. Heutzotage aber steht der Omfang däser Großstädte mät dem ährer Staaten än gar keinem Verhältnäs. Öbrägens, äch halte mer aus, daß Sä mäch jetzt nächt bei jeder Sälbe onterbrechen; zomal es säch fögen könnte, daß meine Aufzeichnongen hän ond wäder einen etwas persönlichen Charakter annähmen. Dä Sobjektävätät äst aus solchen Reisenotäzen mät dem besten Wällen nächt ämmer hänaus zo schaffen. Sollte also etwas Derartäges mät onterlaufen, so erwarte äch von Ährem Anstandsgeföhl, daß Sä mäch nächt mät onnötägen Fragen behellägen. Äch bränge Ähnen dorch dä Mätteilong däser Aufzeichnongen ohnehän ein gewässes Opfer: aber der Pädagoge äst mächtäger än mer als der Prävatmann. Rompf, wenn Sä lachen wollen, so gehn Sä mer vor dä Töre! Verstehen Sä mäch? Ond non ställ! Äch begänne!«

Seit Wochen hatte in der Prima keine so feierliche Ruhe geherrscht, wie nach dieser Erklärung unseres allverehrten Direktors. Was konnte uns wünschenswerter erscheinen, als die Ankündigung subjektiver Streiflichter auf das Privatleben einer uns so teuren und hochinteressanten Persönlichkeit?

»Meine Notäzen«, hub Samuel mit der ganzen Fülle seines wohlklingenden Organes an, »bestehen aus losen Zätteln, dä dem Datom nach aneinander gereiht sänd. Äch habe das Wächtigste här zosammengestellt ond begönne non ohne weitere Einleitong mät der Lektöre. Äch bemerke nor noch, daß äch mäch damals aus rein wässenschaftlächen Grönden zo jener ämmerhän beschwärlächen Reise entschlossen hatte.

Nochmals, äch begänne:

›Paräs, am drätten Mai. Bereits seit värzehn Tagen befände äch mäch än der Hauptstadt der Gallier. Äch habe mäch schon so zämläch än den öffentlächen Bäbläotheken orientärt ond freue mäch von Herzen öber dä Fölle des vorhandenen Materäals. Nor eine einzäge Handschräft, deren Exästenz Waldhober mär doch so zoverlässig behauptete, habe äch bäs jetzt noch nächt auftreiben können. – Gedold!‹«

»Herr Direktor,« warf hier Möricke ein, »wer ist denn der Waldhuber?«

»Ohne Zweifel ein Pariser Bibliothekar«, fügte Schwarz hinzu.

»Onsänn! Waldhober! Wer wärd Waldhober sein! Der beröhmte Archäologe, gegenwärtäg än Göttängen! Sä scheinen mer auch öber den Stand der modernen Wässenschaft sehr schlecht onterrächtet.«